Wien - Nach dem Teilverkauf des Ranshofener Aluminiumherstellers Amag über die Börse beginnt das in der Constantia Packaging gebündelte ehemalige Turnauer-Imperium mit der Abnabelung ihrer Verpackungssparte Constantia Flexibles (CF). Wiewohl das Klima für den angestrebten Börsengang derzeit als (zu) rau befunden wird, die Vorbereitungen sind unübersehbar.

Der erste Schritt: Der Firmensitz der aus Constantia Teich und Duropack bestehenden Constantia Flexibles wird vom verschlafenen Weinburg im Mostviertel an den Wiener Handelskai übersiedelt, kündigt Flexibles-Geschäftsführer Thomas Unger im Gespräch mit dem Standard an. Die Produktion mit fast 6000 Beschäftigten bleibt in Mühlhofen bei St. Pölten.

Von Wien aus soll das Ostgeschäft angekurbelt und die Internationalisierung vorangetrieben werden. Nach dem Kauf des türkischen Verpackungsunternehmens Asas, das auch in Rumänien produziert und in den mittleren Osten expandieren soll, zieht es den Hersteller von flexiblen Verpackungen für Güter des täglichen Bedarfs (Joghurt, Süßwaren, Pharma, Getränke und Tiernahrung) vor allem in Schwellenländer wie Indien und Brasilien.

Ruf der Schwellenländer

Besonders gute Chancen sieht Unger in Indien, wo nach bewährtem Muster vorgegangen werden soll: Einstieg bei einem "lokalen, mittelständischen, am besten Eigentümer-geführten Wettbewerber" mit Aussicht auf Mehrheitsübernahme und Expansion. Entscheidend sei, dass Constantia in den neuen Märkten auch ihre Kunden, internationale Pharma- oder Lebensmittelkonzerne, beliefern könne. Neben Nordamerika und China, wo CF bereits präsent ist, steht auch Südamerika, allen voran Brasilien, im Fokus.

Die Skala für den Bedarf an Verpackungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften scheint nach oben offen zu sein: In Indien etwa seien Mini-Verpackungen en vogue, um den Preis für Schokolade oder Parfümerieartikel mit einer Rupie zu begrenzen, Haarshampoo werde gar in Mini-Einweg-Packungen abgegeben. Das erklärt, warum der Markt für Verpackungen in Indien pro Jahr um 20 Prozent wächst.

Auch bei Milchprodukten sieht man großes Potenzial: So beträgt der Joghurt-Verbrauch in Österreich und Deutschland pro Jahr und Person 25 Kilo, in Südamerika sind es zehn, in Russland nur fünf und in Indien wie China gerade einmal ein Kilo.

Mittelfristig will der ehemalige Vizechef des deutschen Handelsriesen Metro die CF "strategisch verdoppeln". Heißt in Zahlen: von 1,2 Milliarden Euro Umsatz auf gut zwei Milliarden. Das sei von Niederösterreich aus nicht zu bewerkstelligen, "langfristig brauchen wir die Produktion zu lokalen Kosten". Geld für die Expansion sei vorhanden, allein aus dem Amag-Verkauf hat CF von ihrer Mutter Constantia Packaging eine Kapitalerhöhung um 150 Millionen Euro bekommen.

Die schlechte Börsenstimmung macht Unger übrigens nicht nervös: Auf Konsumartikel spezialisiert, sei das Geschäft der CF azyklisch und krisenresistent und somit ein sehr attraktives Investment für Anleger.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.9.2011)