Graz - "Man muss schon einen kleinen Hieb haben, oder zumindest eine extreme Vorliebe für das Produkt Auto, wenn man sich ein Leben lang damit beschäftigt", gesteht Erwin Leo Himmel, gegenwärtig einer der erfolgreicheren Designer der Automobilindustrie. Himmel arbeitete eineinhalb Jahren an der Grazer Auto Art, einer Schau über so genannte "Showcars", die in ihrer Zusammenstellung eine Weltpremiere ist. Gezeigt werden Autos, die aufwendigst produziert werden, aber nicht für die Fließbandproduktion vorgesehen sind.

Nichts für den Straßenverkehr

Es ist später Vormittag, und im Bauch der neuen Grazer Stadthalle thronen 37 Autos, die - abgesehen von drei Ausnahmen - niemals an der rauen Realität des Straßenverkehrs teilnehmen werden. Wenn der gebürtige Grazer, der in Barcelona sein Designbüro "Fuore" betreibt, am Tag vor der Eröffnung durch die Material gewordenen Designer-Fantasien schreitet, herrscht fast feierliche Stimmung. Das Licht ist gedämpft, manche der aufpolierten Stücke "schlafen" noch auf ihren Sockeln, bedeckt von weichem, dunkelviolettem Tuch.

Zwei Showcars mit untypischer Karriere sind das "Concept One", heute besser bekannt als New Beetle von VW sowie der Chrysler Crossfire, der ab Herbst in leicht modifizierter Form käuflich erworben werden kann.

Identitätssuche

Die typischen Showcars, die oft gar nicht wirklich fahren können, dienen einem anderen Zweck, wie Erwin Himmel erklärt: "Die meisten Firmen müssen nicht ihre Produkte, sondern ihre Identität ordnen oder stärker darstellen".

An den Showcars würden neue Produktlinien und Trends ausprobiert, um zu sehen, wohin das Firmendesign sich entwickeln könnte. "Das kann man auf verschiedenen Stufen - ganz extrem oder dezenter - machen", weiß Himmel, dessen Mitsubishi Pajero Evolution es vom Showcar, das Off-Road-Verwegenheit mit urbanem Lifestyle verbinden sollte, zum diesjährigen Gewinner der Paris-Dakar-Rallye schaffte. Das wüstenerprobte Fahrzeug ist in Show ebenso zu sehen wie weitaus auffälligere Vehikel.

Denn während manche Wägen einfach nur teuer oder extrem edel wirken, muten andere so futuristisch oder verspielt an, dass man meinen könnte, James Bond, Batman und Fred Feuerstein hätten ihre Automobile hier geparkt.

Nach seinem persönlichen Lieblingsstück gefragt, deutet Himmel schmunzelnd zum Star der jüngsten Motorshow in Barcelona, dem "XF 10", einer reinen Studienarbeit von Fuore. Eine Variation zur Marke Jaguar mit einem "Hauch von Formel 1", ein Traum aus silbernen Stromlinien mit roten Innenleben und 640 PS-Motor.

Österreich ein neutraler Boden ohne eigene Automarke

Die meisten Automarken hätten rasch ihre Teilnahme zugesagt, resümiert Himmel zufrieden, "weil Österreich für sie neutraler Boden ohne eigene Automarke ist, wo alle Produkte gleichberechtigt neben einander stehen". Außerdem habe der künstlerische Aspekt bei fast allen Firmen Sympathie erweckt. Frank Stronachs Magna-Konzern, Zentrum des steirischen Auto-Clusters, sponsert die Ausstellung, die ein Projekt von "Graz 2003" ist.

Begrüßt werden die Besucher der Auto Art im Foyer der Stadthalle allerdings von einem skurrilen Gefährt namens "Osmose" von Citroën, in dem der Fahrer in der Mitte und seine Beifahrer links und rechts von ihm sitzen. Entwickelt für den Pariser Verkehr, trägt es seine Airbags aus Liebe zu den Fußgängern außen. Das offene Heck mit einem beleuchteten Stadtplan von Paris lädt Passanten zur spontanen Mitfahrt ein. Ein Auto, das kaum jemals Asphalt unter den Reifen spüren wird. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 28.5.2003)