Wien - Die Streikvorbereitungen der Gewerkschaften gegen die Pensionsreform für den kommenden Dienstag laufen allmählich an. Der öffentliche Verkehr dürfte in weiten Teilen Österreichs 24 Stunden zum Erliegen kommen. Die genauen Details wollen die Gewerkschafter aber erst ab Freitag bekannt geben. Definitiv ist bereits ein ganztägiger Streik bei den Druckern.

Drucker

Bei allen größeren Betrieben und "überall dort, wo wir gewerkschaftlich organisiert sind", werde am Dienstag von 0 bis 24 Uhr die Arbeit niedergelegt, meinte Franz Bittner, Vorsitzender der Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier (DJP) am Mittwoch gegenüber der APA. Eine wesentliche Ausnahme gibt es diesmal aber. Im Gegensatz zum Streik vom 6. Mai sollen in der nächsten Woche die Zeitungen von den Protestmaßnahmen ausgenommen sein. "Wir wollen, dass berichtet wird", begründete Bittner die Vorgangsweise. Für die Zeitungen überlege man aber andere Maßnahmen.

Öffis

Fest steht auch bereits, dass die Wiener Linien am Dienstag den Betrieb nicht aufnehmen werden. Wie lange gestreikt werde, könne man aber erst am Freitag endgültig sagen, meinte Karl Kaiser, Vorsitzender der Wiener Hauptgruppe IV (Wiener Linien) in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG). Die Öffis würden aber zumindest "bis in die Nachmittagsstunden" stehen. Beim ersten Streik waren sie nur am Vormittag in den Remisen geblieben. Die Belegschaft stehe voll hinter den Maßnahmen, meinte Kaiser.

Er berichtete auch davon, dass sich die ÖBB ebenfalls 24 Stunden an den Streiks beteiligen werden. Dass diesmal auch der Personenverkehr betroffen sein könnte, wollte er aber nicht bestätigen.

Müllabfuhr

Ziemlich fix dürfte auch sein, dass es am Dienstag in Wien keine Müllabfuhr geben wird. Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten überlegt auch, die Gemeindeämter und die Kindertagesheime nicht aufzumachen. In den Krankenhäusern sei aber nicht an Streiks gedacht, hieß es.

Post

Bei der Post möchte man mit Details erst am Montag an die Öffentlichkeit gehen. Es sei aber klar, dass der "Aufruf" des ÖGB-Bundesvorstandes ein "Prozedere für 24 Stunden" umfasse, hieß es. Die Maßnahmen vom 6. Mai würden in jedem Fall "bei weitem übertroffen". Damals wurden bei der Post nur Betriebsversammlungen abgehalten. Das Ö1 Mittagsjournal berichtete, dass dort gestreikt werden soll, wo es die größten Auswirkungen gibt - das wären die Ämter und Verteilzentren.

Auch Störungen im Luftverkehr zu erwarten

Die Streiks am Dienstag kommender Woche könnte auch zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs in Österreich führen: Die Vorbereitungen für Protestmaßnahmen gegen die von der Regierung geplante Pensionsreform "sind relativ weit gediehen", bestätigte der zuständige Fachsekretär für die Bundessektion Verkehr in der Gewerkschaft HTV (Handel, Transport, Verkehr) am Mittwoch auf APA-Anfrage.

Am Flughafen Wien-Schwechat sollen am Dienstag "mehrere Berufsgruppen gleichzeitig" Aktionen setzen, sehen die Gewerkschaftspläne vor. Einzelheiten sollen erst in den nächsten Tagen beschlossen werden. Die ÖGB-Spitze hatte zuletzt "spürbare" Maßnahmen bei öffentlichen Verkehrsmitteln angekündigt, die "spürbar" sein werden. "Wir machen Streiks und die werden spürbar sein", sagte ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch gestern. Eine streikähnliche Wirkung könnten aber auch längere Betriebsversammlungen haben.

Am Flughafen Wien und bei der AUA ist man von geplanten Protestmaßnahmen der Belegschaft offiziell noch nicht unterrichtet. "Wir wollen fliegen und gehen davon aus, dass das normal möglich ist", sagte AUA-Sprecher Johann Jurceka. Andernfalls würden Notfallpläne zum Einsatz kommen.

Streiks: Lehrer aller Schultypen werden streiken

"Selbstverständlich" werden sich kommenden Dienstag (3. Juni) auch die Lehrer dem Streik gegen die Pensionsreform anschließen. Das erklärte der Chef der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, am Mittwoch im Anschluss an eine Sitzung aller Vorsitzender der Bundessektionen in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) in Wien. Der Protest werde von den Lehrern aller Schultypen mit getragen, sagte Riegler.

Das bedeutet, dass am Dienstag für rund 1,2 Millionen Schüler der Unterricht an den Pflichtschulen, den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS), den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) und den Berufsschulen entfällt. Nach Angaben des Vorsitzenden der BMHS-Lehrer-Gewerkschaft Helmut Skala und dem Chef der AHS-Gewerkschaft Azevedo Weißmann ist die Matura von dem Protest ausgenommen, d.h. Maturaprüfungen werden abgenommen. Auch Kinder, die an die Schulen kämen, würden beaufsichtigt.

Weißmann war - nachdem die AHS-Lehrer in den vergangenen Wochen bereits drei Mal vor allem gegen die Stundenreduktion gestreikt hatten - in den vergangenen Tagen einem neuerlichen Streik eher reserviert gegenüber gestanden. Nun handle es sich aber "fast um eine Art Generalstreik". "Wir können uns als AHS-Lehrer nicht ausschließen, wenn der gesamte ÖGB zum Streik aufruft", sagte er zur APA. (APA)