Wien - Die Experten der Arbeiterkammer haben am Donnerstag erste Rechenbeispiele über die Auswirkungen der jüngsten - den Sozialpartnern schriftlich übermittelten - Vorschläge der Regierung zur Pensionsreform veröffentlicht. Beispielsfälle normaler Arbeitsverläufe zeigten, dass die Kürzungen nach diesen Vorschlägen des "Pensionsbriefs" stark sind. "Sehr viele haben bereits ab dem kommendem Jahr mit einem Verlust von 12 Prozent zu rechnen, denn auch dann, wenn die 'Deckelung' greift, verlieren sie dauerhaft weitere rund zwei Prozent, weil nach der Regierungsvorlage die erste Pensionsanpassung 'ausgesetzt' werden soll. Der Verlust von eineinhalb Monatspensionen jedes Jahr entspricht fast dem Verlust des 13./14. Einkommens", heißt es in der AK-Aussendung.
Das Berechnungsbeispiel der AK-Experten
Frau M. (55) ist Sekretärin, sie wird mit 60 Jahren im Oktober 2008 in Pension gehen. Nach geltendem Recht bekäme sie 1.496 Euro Bruttopension - nach dem "Pensionsbrief" soll sie 1.346 Euro bekommen. Frau M. verliert jährlich 2.094 Euro. Dazu kommen weitere 2 Prozent, weil die erste Pensionsanpassung entfällt. Der Gesamtverlust beträgt 12 Prozent. Berechnung:

Geltendes Recht: Frau M., am 1.10.1948 geb., Pensionsantritt mit 60 Jahren, Stichtag 1.10.2008. 40 Versicherungsjahre zum Stichtag. Bemessungsgrundlage: 1.870 Euro (Durchschnitt der besten 15 Jahre). Pensionshöhe: 40 x 2 = 80 Prozent von 1.870 Euro - das ergibt 1.496 Euro Bruttopension nach heutigem Recht.

Regierungsmodell: Gesamtverlustdeckel vor Anpassungsverlust derzeit max. 10 Prozent, Steigerungspunkte: Übergangsregelung bis 2009. 4. Quartal 2008 = 1,80 Prozent pro Versicherungsjahr. Pensionshöhe 40 x 1,8 = 72 Prozent von 1.870 Euro (der Durchrechnungszeitraum beträgt zwar bereits bis zu 20 Jahren, auf Grund des zehn-prozentigen Verlustdeckels ist jedoch ein zusätzlicher Durchrechnungsverlust ausgeschlossen) - das ergibt 1.346,40 Euro Bruttopension (minus 10 Prozent), dazu kommen 2 Prozent Anpassungsverlust, ergibt einen Gesamtverlust von 12 Prozent. Verluste für Frauen mit niedrigen Einkommen Frau K. (56), Arbeiterin, erwirbt bis zum Regelpensionsalter von 60 Jahren 37,5 Versicherungsjahre. Sie wird 2007 in Pension gehen. Nach geltendem Recht würde sie 518 Euro Pension bekommen (weil ihr Mann eine Invaliditätspension von 950 Euro bezieht, bekommt sie keine Ausgleichszulage). Nach dem "Pensionsbrief" soll sie 476 Euro bekommen, das entspricht einem jährlichen Verlust von 580 Euro (minus 8 Prozent). Dazu kommen weitere 2 Prozent, weil die erste Pensionsanpassung entfällt. Der Gesamtverlust beträgt 10 Prozent. Wahrscheinlich ist ein weiterer Verlust: Weil 2007 bereits bis zu 19 Jahre durchgerechnet werden, wird bei den bestehenden schlechten Aufwertungsfaktoren der Verlust größer, so dass die Deckelung greift. Der Gesamtverlust von Frau K. beträgt dann 12 Prozent jährlich. Berechnung:

Geltendes Recht: Pension 2007 mit 60, 37,5 Versicherungsjahre mit 60, Bemessungsgrundlage 690 Euro, Pensionshöhe 37,5 x 2 = 75 Prozent von 690 Euro sind 517,50 Euro (das entspricht in etwa der durchschnittlichen Arbeiterinnenpension).

Regierungsmodell: Pension 2007 mit 60, Steigerungsprozentsatz 37,5 x 1,84 = 69 Prozent von 690 Euro (Durchrechnungsverlust noch nicht berücksichtigt, 2007 werden bereits bis zu 19 Jahre herangezogen) sind 476,10 Euro, das sind minus 8 Prozent, das entspricht einem jährlichen Verlust von 580 Euro. Dazu kommen rund 2 Prozent dauerhafter Verlust auf Grund des Entfalls der ersten Pensionsanpassung, ergibt einen Gesamtverlust von 10 Prozent. Dazu kommt ein Durchrechnungsverlust von mehr als 2 Prozent, ergibt einen maximalen Gesamtverlust von 12 Prozent. (APA)