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Anhänger der Piusbruderschaft bei der Priesterweihe. Sie lehnen das zweite Vatikanum ab.

Foto: Reuters/Rehle

Zu der Bruderschaft gehört auch Holocaustleugner Richard Williamson.

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Der Vatikan bemüht sich um eine Beilegung des Konflikts mit der erzkonservativen Piusbruderschaft. Der Generalobere der Taditionalisten, Bernard Fellay, wurde im Vatikan vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, empfangen.

Das Gespräch sei "mit großer Offenheit und Höflichkeit" geführt worden. Der Vatikan legte Fellay ein zweiseitiges Dokument vor, das eine "lehrmäßige Erklärung" über grundlegende Glaubenslehren der katholischen Kirche enthält. Das Dokument, dessen Inhalt vertraulich ist, fasst die Beurteilung des Vatikans nach acht Annäherungsgesprächen seit Oktober 2009 zusammen.

Eine Unterzeichnung des Dokuments bezeichnete Vatikan-Sprecher Federico Lombardi als "unabdingbare Grundlage" für eine Versöhnung. Man rechne in "absehbarer Zeit" mit einer Antwort der Piusbrüder. Im Falle einer Einigung könnte die Bruderschaft in eine Personalprälatur nach dem Vorbild des Opus Dei umgewandelt werden.

Fellay warnte vor allzu optimistischen Erwartungen. Er werde auf die vatikanische Erklärung erst nach ausgiebiger Rücksprache mit seinen Glaubensbrüdern antworten. Versöhnliche Worte vermied der Chef der Bruderschaft: "Macht euch keine Illusionen: Wenn der Vatikan uns kirchenrechtlich anerkennt, wird der Kampf noch härter." Der Kreuzzug gegen das modernistische Rom werde fortgesetzt.

Vorbedingung der streitbaren Bruderschaft für den Dialog war die Aufhebung der Exkommunikation vier illegal geweihter Priester durch Papst Benedikt XVI., der eine Reihe von Gesten gesetzt hatte, um den 1988 erfolgten Bruch mit dem rebellischen Erzbischof Marcel Lefebvre zu kitten.

Andere Konzilinterpretation

Laut Vatikan-Kennern bedeutet eine Annahme des päpstlichen Dokuments durch die Piusbrüder nicht den Verzicht auf unterschiedliche Interpretationen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner lobte die Bemühungen des Papstes um die umstrittene Bruderschaft. Benedikt XVI. habe sehr viel auf sich genommen, um die von Rom abgespaltene Gemeinschaft wieder "heimzuholen" . Wenn aber die Piusbrüder "das Konzil nicht annehmen, müssen sie draußen bleiben" .

Etwa 550 Priester bekennen sich zur Piusbruderschaft. Sie lehnen die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils als "modernistisch" ab - etwa die Messe nicht mehr auf Latein, sondern in der Landessprache zu halten. Bekannt wurde die Bruderschaft, als Papst Benedikt XVI. 2009 die Exkommunikation des Piusbruders Bischof Richard Williamson aufhob. Williamson hatte kurz zuvor in einem Interview den Holocaust geleugnet und die Existenz von Gaskammern bestritten. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2011)