"Yes, we could", die Karikatur von Thomas Wizany*, trifft das Wesen des Kakanisch-Österreichischen: ein pralles Trachtenpärchen - in träger Erwartung des Kommenden. Gleichgültig ob Heil oder Unheil, "jo, mir kenntatn" - oba tuan kema nix oda woin tuama ned.

Phäaken-Vergnügen für uns, das Gemeinwohl wird schon ohne uns - oder eben nicht. Wir lassen's uns gut gehen, solange es geht, um uns nicht fürchten oder gar anstrengen und etwas tun und verantworten zu müssen. Doch Angstabwehr lähmt und wenn Indolenz nicht nur das "Pack" (Wolf Biermann) der spießigen Vielen sondern die wenigen Machthaberer erfasst, dann kann's selbst auf einer Insel der Seligen nicht mehr gut gehen. So sind wir gerade dabei, die Erfolge von Arbeitsmarkt- und Krisenmanagement nach 2008 bei Bildung, Kinderbetreuung und Pensionen zu verspielen.

Zwei Beispiele "yes, we could, but can't or don't want". Die Seniorenvertreter Khol und Blecha sind klug genug zu sehen, "wenn wir so weitermachen, geht es in den Abgrund". Sie haben daher viele vielversprechende Forderungen zur Pensionsreform - alle an alle Anderen. Doch geht es um eigene Klientel, setzen Verstand und Anstand aus: so fordern sie, über 2,7 Prozent Pensionserhöhung 2012 für eine Milliarde hinaus Zuschläge für "kleine Pensionen"- und definieren diese mit 1.000 bzw. ernsthaft mit 1.332 Euro x 14. Der flüchtigste Blick in die Statistik ergäbe, dass diese Pensionen zwar "klein" von der hohen Warte der Verbandsobmannpensionen von rd 15.000 Euro monatlich, aber zu einem Drittel ungedeckt sind - und 61-69 % (brutto/ netto) aller Pensionisteneinkommen und 73-80 % aller Pensionistinnen unter 1.332 Euro liegen.

Die verlangte Rechtsbeugung von Zahlungen über die Inflationsabgeltung hinaus bürdete den Kindern und Enkeln weitere hunderte Millionen Euro zu den 14.000 Millionen jährlicher Pensionsdefizite als Konsumschulden auf. Sie wäre allenfalls aus hoher Besteuerung bis Enteignung von Luxuspensionen privilegierter Altpolitiker und ihrer Witwen (wie Khol, Blecha, Schüssel, Claudia Haider), OeNBler usw. möglich.

Während der Sozialminister längst erkannte, dass späterer Pensionsantritt nötig ist, tönt sein ÖGB-Nachfolger seelenruhig aus Alpbach, als handelte es sich um KV-Routinen: zum Pensionsalter wäre es "unseriös, Zahlen zu sagen", es gäbe "keine endgültige Zahl", "seit 1999 tun wir nichts anderes" als Reformen, es sei "zur Genüge getan". AK-Präsident Tumpel will das faktische Pensionsalter "um eineinhalb Jahre" anheben, ÖGB-Präsident Foglar ortet "richtiges Tempo", wenn wir statt ein bis zwei Jahre im Jahr 2000 nun 2011 vier bis fünf Jahre Rückstand zur OECD haben!

"Richtiges Tempo" zur baldigen Herstellung "griechischer" Verhältnisse. Die ruhige, besonnene ÖGB-Kraft zeigt sich als Zocker, ein Beschwichtigungshofrat als heimlicher Hasardeur, der andauernd verliert, doch weiter auf die große Gewinnwende setzt. Pragmatiker wie Benya und Visionäre wie Dallinger waren keine "Follower" dumpfer Massen, sondern respektierte Arbeiterführer. Labour Leader gewannen Wahlen in England, Spanien, Schweden, Finnland, Norwegen und zuletzt in Dänemark, u.a. mit der Forderung höheren Pensionsalters. Wann wird Präsident Foglar seine Mitglieder auffordern, wie in Italien 2012 bis 2014 je ein Monat später in den Ruhestand zu treten? Das wäre hochwirksam, doch vielleicht gefährlich: es könnte weniger als 100 Prozent Zustimmung wie zur gleich lautenden Testumfrage in Alpbach geben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9.2011)