In Deutschland ist die Piratenpartei nach dem überraschend gutem Abschneiden bei der Landtagswahl in Berlin in aller Munde und auch in Österreich wollen die Bürger ein freies Internet, um Politik und Wirtschaft auf die Finger zu schauen. Allerdings glaubt jeder Zweite, dass eine Revolution über das WorldWideWeb mehr Gefahren als Chancen bietet. Auch beim Onlinevoting geht ein Riss durch das Volk, zeigt eine Umfrage im Auftrag der Telekom Austria (Sample: 501 Telefoninterviews, 504 Facebook-Nutzer).

Manager-Gehälter

Auffällig ist auch, dass die Österreicher zwar gerne Infos von anderen hätten, bei den eigenen aber knausrig sind. So wüsste die Hälfte der Befragten gerne über die Gehälter von Topmanagern bescheid, aber zur Bekanntgabe persönlicher Finanzdaten sind nur 13 Prozent bereit. Ein Schere klappt auch bei der Frage auf, wer die Internetinhalte bestimmt. Spontan gesagt war der Großteil der Meinung, "die Bevölkerung". Auf Nachfrage waren es dann Internet-Giganten wie Facebook und Google.

Männlich dominiert

Laut Gereon Friederes, Geschäftsführer des durchführenden Umfrageinstitutes marketmind, ist die Mitbestimmung im Netz noch männlich dominiert. In Deutschland sind 14 der 15 künftigen Mandatare der Piratenpartei Männer. Ob in Wien auch eine Piratenpartei eine Chance hätte, beantwortete der deutsche Friederes am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien nicht. Dazu habe er nicht einmal eine private Meinung.

Offene Gesellschaft

Telekom-Chef Hannes Ametsreiter betonte, die teilstaatliche Telekom Austria "unterstützt eine offene Gesellschaft, in der jeder Mensch größtmögliche Freiheit zur personlichen Entwicklung hat". Auf die Frage, ob die Telekom bereit ist, den internen Revisionsbericht rund um eine neun Mio. Euro schwere Kursmanipulation, Ungereimtheiten bei Immobiliengeschäften und Zahlungen an ehemalige FPÖ/BZÖ-Spitzenpolitiker bereinigt um persönliche Daten und Firmengeheimnisse zu veröffentlichen, meinte Ametsreiter: Es wäre "ungewöhnlich", diesen zu publizieren. Aber die Telekom kooperiere hier voll mit den ermittelnden Behörden.

Future.talk

Die Umfragepräsentation heute war eine "Aufwärmrunde" für den future.talk der Telekom Austria am 11. Oktober. Top-Redner der Veranstaltung ist Sir Tim Berners-Lee, Erfinders des World Wide Web. Er wird mit einer Expertenrunde darüber diskutieren, wer das Internet regiert. (APA)