Was Atomkraft betrifft, ist Österreich seit dem "Nein, danke" zum Reaktor in Zwentendorf im Jahr 1978 ein gallisches Dorf. Tschechien ist ebenfalls auf dem besten Weg dorthin - wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen: Während nach dem Super-GAU von Fukushima in Europa der Trend Richtung Atomkraftausstieg geht, will Tschechien kräftig in seine strahlende Zukunft investieren. Und wenn zwei gallische Dörfer messen wollen, wer unbeugsamer ist, sind heftige Krawumms zu befürchten.

Österreich hat den ersten Schritt bereits getan. "Wir werden so etwas mit Sicherheit nicht hinnehmen", tönt es kämpferisch aus Oberösterreich, wo Landesrat Rudi Anschober von den Grünen seit jeher den Nachbarn die atomare Schneid abkaufen möchte. Gelegentlich, vor allem vor Wahlen, darf er sich sogar der Unterstützung des schwarzen Landeshäuptlings Josef Pühringer erfreuen.

Zehn bis 15 neue AKWs vor der Haustür sind natürlich keine Kleinigkeit. Aber die Tschechische Republik hat das Recht und die Pflicht, ihre Energieversorgung zu sichern. In Prag befürchtet man, ohne Kernkraft eines Tages in die russische Gaspipeline zu schauen. Freilich geht es in den tschechischen Plänen auch um lukrative Stromexporte.

Alternativmodelle, so scheint es, wurden in Tschechien bisher wenig diskutiert. Daraus sollte Österreich einen Zaubertrank brauen. Gute Argumente sind schlagkräftiger, als nur die Faust zu ballen. (DER STANDARD-Printausgabe, 21.9.2011)