Tel Aviv - Israels höchstes Gericht hat in letzter Minute die umstrittene Räumung von Protestzelten in Tel Aviv gestoppt. Israelische Medien berichteten am Dienstag, das Gericht in Jerusalem habe eine einstweilige Anordnung erlassen. Bis zu einer endgültigen Gerichtsentscheidung sollten die Zelte, Symbol der sozialen Proteste in Israel, nicht gewaltsam abgebaut werden. Das Bezirksgericht in Tel Aviv hatte der Stadt zuvor erlaubt, von Mittwoch an die Protestzelte zu entfernen. Dagegen legten Führer der Protestbewegung Einspruch ein. Am Donnerstag will das Oberste Gericht eine neue Sitzung dazu abhalten.

Mitte Juli hatten Demonstranten aus Ärger über hohe Mieten und Lebenshaltungskosten damit begonnen, in vielen Straßen Tel Avivs, aber auch in anderen Städten Zeltlager zu errichten. Hunderttausende Menschen forderten bei den größten Demonstrationen in Israels Geschichte mehr soziale Gerechtigkeit. Der unter Druck geratene israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu setzte ein Expertenteam ein, das bis zum Monatsende Empfehlungen für soziale Verbesserungen vorlegen soll. In vielen Supermärkten in Israel sind die Preise seit Beginn der Proteste bereits spürbar gesunken. (APA)