Wien - Der Uniqa-Versicherungskonzern macht Ernst mit der geplanten Verschlankung seiner Strukturen: Im Verwaltungsbereich der Gruppe werden europaweit 600 Jobs abgebaut, rund 7 Prozent von etwa 9.000. Allein im Headquarter in Wien sollen dabei 200 Jobs wegfallen, jeder fünfte Arbeitsplatz. CEO Andreas Brandstetter begründete dies mit der Beseitigung von Doppelgleisigkeiten. Geplant sind einvernehmliche Abgänge, keine Kündigungen. Für die Personalmaßnahmen will man in der Bilanz 2011 mit 80 Mio. Euro vorsorgen, insgesamt sollen 190 Mio. Euro Einmalaufwand für die Neuausrichtung der Gruppe hineingepackt werden. Dies wird das Konzernergebnis heuer auf eine "schwarze Null" drücken und die Dividende massiv nach unten bewegen, so Brandstetter. Notfalls fällt sie ganz aus, so CFO Hannes Bogner.

Der Personalabbau in den Wiener Zentralen von Uniqa Österreich und der Holding soll in den nächsten zwölf Monaten über die Bühne gehen, in den 21 Märkten der Gruppe binnen drei Jahren. Den Betroffenen werde man "einvernehmliche Module" vorschlagen, wie dies schon in den letzten zehn Jahren beim Abbau von 700 Stellen geschehen sei. Wolle jemand die finanziell attraktiven Angebote nicht annehmen, müsste man letztlich auch Kündigungen aussprechen, so Brandstetter vor Journalisten. Beim Personenkreis gehe es nicht um Ältere, sondern um nicht mehr benötigte Funktionen. In den vergangenen Monaten habe man sich erstmals jeden Prozess angesehen. Aus den großen Fusionen im Konzern der letzten zwölf Jahre seien nicht alle Potenziale genutzt worden. Kritik am früheren Vorstand, der hätte etwas verschlafen, werde er sicher nicht üben, so Brandstetter auf eine Frage.

Neben den 80 Mio. Euro Rückstellungen, um die Personalmaßnahmen abfedern zu können, sollen heuer im Ausmaß von weiteren 80 Mio. Euro bilanzielle Vorsorgen getroffen werden für den Beteiligungsbereich. Dieser Bereich werde soeben gescreent im Hinblick auf die aktuell schwierige Situation im In- und Ausland, die Abwertungen nötig machen könnte, sagte Bogner. Um welchen Sektor es dabei speziell geht, etwa die elf Hotels, von denen man sich wie bekannt trennen möchte, wollte der Vorstand nicht konkretisieren. Der Betrag von 80 Mio. sei ein Pauschalbetrag, "es kann auch weniger sein", sagte der Finanzchef. Auch dies werde sich erst im 4. Quartal, also mit der Jahresbilanz, niederschlagen. Das 3. Quartal werde operativ noch normal sein. Auch betreffe das keine Griechenland-Bonds, die man ja schon im Halbjahr um 58 Mio. Euro abgewertet hat. Weitere Impairments hält man bei den financial assets aus heutiger Sicht heuer nicht für erforderlich.

Ebenfalls enthalten ist in den 190 Mio. ao Aufwand ferner - neben anderen Investments - eine zusätzliche Dotierung der UNIQA-Mitarbeiter-Pensionskassenlösung mit rund 30 Mio. Euro aufgrund der Ausweitung des Berechtigtenkreises: In den Genuss der Zusatzpensions-Regelung sollen weitere 3.500 UNIQA-Mitarbeiter in Österreich kommen, derzeit ist nur ein geringer Teil drin.

Dass die gesamten Einmalaufwendungen gleich mit der Bilanz 2011 geschultert werden sollen, hat der UNIQA-Aufsichtsrat gestern, Dienstag, beschlossen. Auch an der Börse werde eine derartige Vorgangsweise bevorzugt, so Bogner: "Der Kapitalmarkt schätzt kein Szenario von verteilten Sonderkosten." Bei der Dividende sei "nicht auszuschließen", dass sie aufgrund der Sondereffekte heuer "ganz ausfällt". Für 2010 hatte die UNIQA Versicherungen AG eine gegenüber 2008 und 2009 unveränderte Dividende von 40 Cent je Aktie - und damit absolut annähernd 57 Mio. Euro - an ihre Anteilseigner ausgeschüttet, durchschnittlich waren gut 142 Mio. Aktien in Umlauf.

Aktie unter Druck

Das operative Ergebnis hatte der Konzern im Vorjahr von 135 auf 184,3 Mio. Euro gesteigert und das EGT von 100 auf 146 Mio. Euro. Der Periodenüberschuss betrug 95 (56) Mio. Euro; davon entfielen 46 (26) Mio. Euro auf das Konzernergebnis (33 Cent je Aktie) und 49 (30) Mio. Euro auf Anteile konzernfremder Gesellschafter.

Die Uniqa-Aktien notierten gegen Mittag mit 12,46 Euro nur noch 2,24 Prozent im Minus; am Vormittag waren es schon rund 4 1/2 Prozent Abschlag gewesen. Der ATX lag kurz vor 12 Uhr um 0,22 Prozent tiefer. 

Vertrieb soll gestärkt werden

Im Gegenzug zur Straffung in der Verwaltung will der Uniqa-Konzern den Vertrieb weiter stärken. Die Zahl der "Versicherer vor Ort" - Generalagenturen und Servicestellen - soll in den nächsten fünf Jahren bundesweit von 300 auf 400 erhöht werden, kündigte der seit Anfang Juli neue Vorstandschef Andreas Brandstetter am Mittwoch vor Journalisten an. Auch den in der Verwaltung Tätigen, die abgebaut werden sollen, will man anbieten, in die Kundenbetreuung zu wechseln.

Mit dem Raiffeisen-Geldsektor spricht man derzeit über eine "Optimierung der Kooperation", also eine Verbesserung des Banken-Vertriebs. Die Neuorientierung des UNIQA-Konzerns bedeute auch die Produktivität eines Raiffeisen-Bankers zu heben, sagte Brandstetter. Derzeit werde die Situation gemeinsam mit der Raiffeisen-Bankengruppe analysiert. Faktum sei aber, dass die Produktivität des Banken-Vertriebs zum Beispiel in der Lebensversicherung mit 12 bis 13 Abschlüssen pro Kopf und Jahr nur etwa halb so hoch wie im guten europäischen Durchschnitt sei. (APA)