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Auch scheine es dem Bischof, als würden sich hier immer "die handelnden Personen irgendwie sich selbst sehr in den Mittelpunkt zu stellen" und nicht Gott. 

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Eisenstadt - Burgenlands Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics spricht sich in der Frage des Umgangs mit Reformbestrebungen gegen "Alleingänge" aus. Er sei mit Kardinal Christoph Schönborn konform, den Weg mit der Weltkirche zu gehen. "Auch ich bin nicht dafür zu haben, dass wir da irgendwelche Experimente machen", so Zsifkovics im Gespräch mit der APA in Hinblick auf den "Aufruf zum Ungehorsam" der Pfarrer-Initiative. Einer äußeren Reform müsse zuerst eine "innere Erneuerungsbereitschaft" vorausgehen, argumentierte der Oberhirte der Diözese Eisenstadt.

Viele der Themen - die Reformer verlangen etwa eine Aufhebung des Pflichtzölibats und fordern, geschiedenen Wiederverheirateten die Kommunion nicht zu verweigern - seien rein sachlich gesehen "bereits geklärt oder noch Inhalt von andauernden Prozessen", so Zsifkovics. Diese könnten weder von heute auf morgen "und schon gar nicht unter grober Missachtung gegebener Strukturen und üblicher Umgangsformen abgebrochen werden". Als Hirte habe er auch diese Wünsche und Fragen zu sehen. Man müsse jedoch "das Ganze auch in den richtigen Kontext hineinstellen, ohne hier panisch oder ängstlich zu reagieren".

"Verantwortlicher Umgang mit kirchlichen Vorgaben"

In der Kirchengeschichte sei es immer wieder zu Veränderungen und Reformen gekommen, die von einer inneren Erneuerungsbereitschaft getragen gewesen seien: "Die Kirche hat sich immer nur und wird sich auch in Zukunft nur aus der Eucharistie und aus dem Gebet aufbauen", so der Bischof.

Wichtig sei, dass man den Menschen wieder Kirche, Glaube, Pfarre und die Familie als Gemeinschaft erfahrbar mache. Bei den Themen der Initiative gebe es Dinge, wo man auch in der Diözese Maßnahmen setzen könne: In der Sakramentenpastoral im Hinblick auf geschiedene Wiederverheiratete etwa habe jeder Priester auch "einen gewissen Handlungsspielraum", weil er derjenige sei, der die Situation vor Ort zu kennen und zu prüfen habe.

Aus dieser Situation heraus gebe auch die Möglichkeit, Wege zu finden, wie man den Menschen Hilfestellungen seitens der Kirche anbieten könne. "Aber es ist nicht in unserer Macht, dass wir jetzt die Unauflöslichkeit der Ehe einfach wegwischen und dass wir es sind, die jetzt allen das Tor zu einem freien Zugang zur Kommunion öffnen", sagte Zsifkovics. Hier brauche es "eine gediegene theologische Sicht und auch einen verantwortlichen Umgang mit den kirchlichen Vorgaben, die wir haben, die auch begründet sind." Die Kirche sei "wirklich fast die einzige Schutzmacht" der Ehe und ihrer Unauflöslichkeit sowie der Familie. Beides in ein gutes Miteinander zu bringen, das sei nicht immer einfach: "Aber ich denke, die Kirche muss auch zu ihren Prinzipien stehen", meinte der Oberhirte.

"Vermisse Rede über Gott"

Was ihn als Christ und Bischof bei solchen Initiativen störe, sei, "dass ich in all diesen Dingen die Rede über Gott fast vermisse". Es sei "immer wieder nur die Rede von Strukturen und Management". Was ihm auch auffalle, sei, "dass hier sehr viel mit plakativen Sätzen, mit Druck gearbeitet wird, auch mit Aggressivität". Auch scheine es ihm, als würden sich hier immer "die handelnden Personen irgendwie sich selbst sehr in den Mittelpunkt zu stellen".

Wichtig ist Zsifkovics, "dass wir das ganze in den Gesamtkontext hineinstellen, dass wir hier klaren Kopf bewahren, die Fragestellungen nicht kleinreden, sie auch nicht vom Tisch wischen". Stattdessen solle man "in der Kontinuität, wie es die Kirche schon in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch mit diesen Fragen hält", einfach am Ball bleiben, die Fragen studieren und Lösungsmöglichkeiten finden, um zu gültigen Reformen kommen zu können, "die aber letztlich Gott und vor allem auch den Menschen im Bild haben". (APA)