Berlin - Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat den geplanten Protest von Abgeordneten der Opposition gegen die Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag scharf kritisiert. Dass einzelne Parlamentarier der Rede fernbleiben wollen, zeige „eine Mischung aus Hochmut und Kleingeist, aus Provinzialität und Überheblichkeit“, sagte Friedrich der Zeitung "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe). Er warf den Abgeordneten zugleich „Respektlosigkeit“ gegenüber dem Bundestagspräsidenten vor, der den Papst im Namen des Parlaments eingeladen habe. Friedrich sagte, die Rede Benedikts im Bundestag biete „eine große Chance für uns, innezuhalten und uns auf das Grundsätzliche zu besinnen". Der Papst gebe den Menschen mit der christlichen Botschaft Hoffnung. Rund 100 Abgeordnete von Linken, SPD und Grünen wollen der Papst-Rede am Donnerstag fernbleiben - insbesondere weil sie die religiöse Neutralität des Staates verletzt sehen. Auf Kritik sorgen auch die kirchliche Sexuallehre und der Ausschluss von Frauen von Kirchenämtern.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Abgeordneten, die der Papstrede im Bundestag fernbleiben wollen, massiv kritisiert. "Dafür habe ich kein Verständnis", sagte Schavan den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Mittwochausgaben). Der Papst sei nicht nur das Oberhaupt der katholischen Kirche, "sondern auch einer der größten Denker unserer Zeit". SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bezeichnete es als "unhöflich", der Rede im Bundestag fernzubleiben und mahnte "Respekt" ein. Nahles erinnerte: "Wir haben auch George W. Bush und Wladimir Putin im Bundestag angehört." (Reuters)