Komfortabel wurden beim ÖBB-Konzern nicht nur "Medienkooperationen" mit Boulevardzeitungen ausgestaltet, sondern auch Beraterverträge. In den Jahren nach der schwarz-blau-orangen "Wende" ließen sich die Manager der Staatsbahn für so gut wie alles beraten, insbesondere was die Kommunikation des Konzerns betrifft. Der Anfang 2005 von der ÖBB-Holding unter ihrem damaligen Chef Martin Huber mit dem PR- und Lobbying-Profi Peter Hochegger abgeschlossene Vertrag dürfte diesbezüglich ein besonderes "Zuckerl" sein.

Nicht nur, weil er sich in den Jahren 2005 bis 2008 auf in Summe rund 7,5 Millionen Euro belief, die diverse Konzerngesellschaften für PR- und Öffentlichkeitsarbeit verbrauchten. Ehemalige Kommunikationsverantwortliche der ÖBB bezeichnen die unter Federführung der damaligen ÖBB-Kommunikationsleiterin Birgit Fischer-Drapela (Ehefrau des ehemaligen Telekom-Festnetz-Chefs Rudolf Fischer; Anm.) zustande gekommene Rahmenvereinbarung als "Knebelvertrag erster Güte".

Das Agreement sah Exklusivität für Hochegger.com bzw. diverse Ableger dieser Agentur - wie die 2006 mit negativem Eigenkapital liquidierte Maxxx.communications - vor. Für jeden abseits des Hochegger-Agenturnetzwerks beschäftigten Berater sei Hochegger eine Pönalezahlung in Höhe des an Dritte vergebenen Honorars zugesichert gewesen.

Neben einzeln verrechneten Leistungen - von "Personality Beratung" und Coaching für einzelne Vorstandsdirektoren und Geschäftsführer diverser ÖBB-Konzerngesellschaften bis zu internen Informationsveranstaltungen - habe es eine "monatliche Grundbetreuung" gegeben, die pauschal abgerechnet wurde und mit 150.000 bis 200.000 Euro zu Buche schlug, erzählen ehemalige ÖBB-Führungskräfte.

Die Honorare, die der Rechnungshof seit Juni 2011 prüft, seien teils "geschmalzen" gewesen: Drei Mitarbeitertage, bei denen tausende Eisenbahner in der Wiener Stadthalle bei Musik und Würstel auf die neue Bahnführung eingeschworen wurden, hätten 1,4 Mio. Euro gekostet. Den von blau/orangen Verkehrsministern wie Hubert Gorbach anempfohlenen Hochegger loszuwerden, war für Hubers Nachfolger an der ÖBB-Spitze, Peter Klugar, übrigens nicht leicht. Die Bahn musste nach der Kündigung sechs Monate weiterzahlen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2011)