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Die Flügel der Volksbanken AG sind neuerlich erlahmt.

Foto: APA/Hans-Klaus Techt

Die Österreichische Volksbanken AG, ÖVAG, kann heuer mangels ausschüttungsfähigen Gewinns doch keine Zinsen aufs Partizipationskapital zahlen. Nun braucht sie wieder einen neuen Businessplan.

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Wien - Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) muss ihre Pläne erneut ändern. Aus dem für heuer budgetierten Gewinn von 100 Mio. Euro wird nichts, und auch der Plan, dem Staat heuer erstmals Dividende (93 Mio. Euro) fürs Partizipationskapital (eine Milliarde Euro) zu zahlen, ist geplatzt. Das hat die ÖVAG am Dienstagabend ad hoc bekannt gegeben; wobei schon im August eine Gewinnwarnung erfolgt war.

Laut Bank ist die wirtschaftliche Eintrübung für die Verschlechterung verantwortlich - laut Informationen des Standard gehen die Geschäfte schon seit Monaten schlecht - zudem ist der Erlös der ÖVAG aus dem Verkauf der Volksbank International (VBI; die ÖVAG hielt 51 Prozent) mit 585 Mio. Euro niedriger als erhofft ausgefallen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Die VBI-Käuferin, die russische Sberbank, hat ihre Einstiegspläne schon anlässlich der ersten Gewinnwarnung überdacht und neu durchgerechnet - und den Preis angesichts der aktuellen Zahlen nach unten geschraubt. Zur Erinnerung: Ursprünglich waren die Alteigentümer von bis zu einer Milliarde Verkaufserlös (mit Rumänien) ausgegangen.

Tatsächlich liegen nun bereits alle Osttöchter (heuer zählen sie noch zum Ergebnis der ÖVAG) unter Plan. Besonders schwierig ist die Lage der VB Rumänien, deren Verkauf an die Russen nicht zuletzt am Widerstand der lokalen Notenbank gescheitert ist.

Größtes Problem in Bukarest: die auf Euro lautenden Fremdwährungskredite. Kenner der Materie halten einen Verlust für wahrscheinlich. Interessenten für die rumänische Tochter gibt es zwar - zuschlagen wollen die aber erst nach erfolgter Sanierung.

Die neuerliche Talfahrt der ÖVAG kommt zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Zwar hält die Bank an ihrem Plan fest, dem Bund vertragsgemäß die erste Tranche (300 Mio. Euro ) vom PS-Kapital zurückzuzahlen - aber allein das Faktum, dass sie die Zinsen fürs PS-Kapital nicht bedient, genügt schon dafür, dass der Bund sein Kapital in Aktien wandeln könnte. Der will das bekanntermaßen aber gar nicht - was der ÖVAG eine Atempause verschafft.

Endstation Spitzeninstitut

Dafür macht nun aber die EU immer mehr Druck: Sie will bis Ende des Jahres wissen, wie die ÖVAG weiterzuarbeiten gedenkt, und verlangt (wie übrigens auch von der Hypo Alpe Adria) neue, nun aber "nachhaltige" Konzepte. Das bisherige hat sich angesichts der Lage überholt: Die ÖVAG wollte sich zur Mittelstandsbank umstilisieren. Nun müssen die Banker wieder umdenken.

Im Oktober wollen sie zunächst einmal die Fusion der Investkredit abschließen. Und dann dürfte sich die ÖVAG (gehört den "kleinen" Volksbanken) hauptsächlich auf ihre Funktion als Spitzeninstitut des Sektors konzentrieren. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2011)