"Ich bin unattraktiv", sagt Informatikerin Manuela unumwunden, und man kann ihr nicht wirklich widersprechen. Die 43-Jährige ist dick, farblos und negiert ihr Äußeres sichtlich. Oft werde sie mit dem Vorurteil "Die ist hässlich, die kann nix" konfrontiert, erzählte Manuela in der ZDF-Doku "37 Grad" am Dienstag um 22.15 Uhr.

Nah dran an den Menschen will die ZDF-Reihe sein. Das ist auch diesmal wieder gelungen. Freimütig berichtet Manuela, dass sie seit 15 Jahren keinen Partner hat, weil sie eben so hässlich sei.

Vor laufender Kamera lässt sie sich demütigen, der Chef lobt zwar ihre außergewöhnlichen Fachkenntnisse, meint aber, dass sie mit ihrem Aussehen eher keine Führungskraft werden könne. Leider.

Doch Manuela will sich jetzt stärker um ihr Äußeres kümmern, und fast möchte man ihr zurufen: "Mach nicht zu viel!" Denn dass Schönheit nicht glücklich machen muss, zeigt sich an der zweiten Protagonistin der Doku.

Sheila ist 30 Jahre alt und schaut aus wie der Schneewittchen-Traum sämtlicher sieben Zwerge: schlank, lange dunkle Haare, große Augen, ebenmäßiges Gesicht.

Sie aber hat es auch nicht leicht. Chirurgin ist sie und will nicht als "Haserl" gelten. Das funktioniert schlecht. Einen Zwerg, pardon, Partner hat sie noch nicht gefunden. Beim Rendezvous merkt sie schnell: "Wenn ich sage, dass ich Ärztin bin, geht es bergab."

Die Macher von "37 Grad" moralisieren nicht, sie begleiten Menschen mit der Kamera. Das ist meist - im Fall von Manuela und Sheila - interessanter als ein Spielfilm über ein hässliches Entlein, das sich im Privat-TV in einen schönen Schwan verwandelt. (Birgit Baumann/DER STANDARD; Printausgabe, 22.9.2011)