Salzburg - Das Kuratorium der Salzburger Festspiele weist die Kritik des Bundesrechnungshofes (RH) vom Juni dieses Jahres in allen wesentlichen Punkten zurück. Der RH hatte die kaufmännischen Strukturen der Festspiele in seinem Prüfbericht als veraltet bezeichnet und als "nicht den Richtlinien der Unternehmensführung entsprechend" kritisiert. Dies hatte zu heftigen Kontroversen geführt. In ihrer in der Vorwoche abgehaltenen jüngsten Sitzung lehnten die Kuratoren die geforderte Strukturreform in einer einstimmig beschlossenen Stellungnahme kategorisch ab.

Im Kuratorium sind alle öffentlichen Geldgeber der Festspiele vertreten, stimmberechtigt sind der Salzburger Bürgermeister als derzeitiger Vorsitzender, die Landeshauptfrau von Salzburg, zwei Vertreter des Bundes sowie ein Vertreter des Salzburger Fremdenverkehrsfonds. An eine Änderung des Festspielgesetzes, das den Festspielen seit 1950 eine gesetzliche Abgangsdeckung (40 Prozent Bund, je 20 Prozent Stadt, Land und Fremdenverkehrsfonds) garantiert, denkt in diesem Gremium niemand. Dieses Gesetz sei das Fundament für die äußerst erfolgreichen Festspiele.

"Die Änderung der Rechtsgrundlage würde daher auch aus wirtschaftlicher Sicht den Bestand der Salzburger Festspiele in ihrer derzeitigen Form und kulturellen Ausrichtung gefährden." Außerdem sei der Salzburger Festspielfonds (Rechtsträger der Festspiele, Anm.) in der Vergangenheit bereits zweimal einer Prüfung seitens des RH unterzogen worden. In beiden Prüfungen sei die Struktur mit keinem Wort kritisiert worden, so die Kuratoren in dem der APA vorliegenden Dokument.

Das Kuratorium bezichtigt den RH der Kompetenzüberschreitung. Dieser habe nur zu prüfen, "ob die Gebarung den bestehenden Gesetzen entspricht und sparsam, wirtschaftlich und zweckmäßig" ist. Gesetze selbst zu kommentieren sei nicht Sache dieses Prüf-Organs.

In Sachen Transparenz und Kontrolle demonstrieren die Kuratoren hingegen Kompromisswilligkeit. Allerdings wird betont, dass die Malversationen aus jüngster Vergangenheit auch in "modern" organisierten Unternehmen mit einem viel höheren und kostenintensiveren Aufwand nicht hätten verhindert werden können. Dass kein unabhängiges, von der Geschäftsführung getrenntes Aufsichtsorgan vorgesehen ist, entspreche explizit den gesetzlichen Bestimmungen. "Die vom Rechnungshof empfohlenen Regelungen des Österreichischen Corporate Governance Kodex und OECD Leitsätze können ebenso wenig angewendet werden wie die Bilanzierungsvorschriften des UGB (Unternehmensgesetzbuch, Anm.), da diese Rahmenbedingungen auf Wirtschaftsbetriebe ausgerichtet sind."

Die Salzburger Festspiele seien dagegen vor allem der Kunst verpflichtet. "Eine primär auf Gewinnorientierung und -maximierung der Festspiele ausgerichtete Betrachtungsweise greift daher auch aus diesem volkswirtschaftlichen Blickwinkel zu kurz", so die Kuratoren der Salzburger Festspiele in ihrer Stellungnahme. (APA)