Wien - Mehr Transparenz im Gesundheitswesen und größere Eigenverantwortung der Patienten - das waren die Schlagwörter, um die sich der zweite "Round Table" der Unternehmensberater Consulting AG in den Räumlichkeiten des STANDARD drehte: Spitzenexperten diskutierten über eine Effizienzsteigerung des Gesundheitswesens.

Der medizinische Fortschritt sowie die demografische Entwicklung seien die zwei großen Herausforderungen des Gesundheitssystems, so die zuständige Ministerin Maria Rauch-Kallat. Das werfe ethische Fragen auf: Ist es zum Beispiel immer sinnvoll, alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen? Wie sinnvoll ist es, jemanden gegen Ende seines Lebens an Schläuche festzunageln, obwohl er selbst das möglicherweise gar nicht mehr möchte? Sowohl Patientenwille als auch bestmögliche medizinische Versorgung seien aber zu gewährleisten. Rauch-Kallat wünscht sich "Kostendämpfung" bei Medikamenten und Abschaffung von Doppelgleisigkeiten zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich.

Für den Wiener Ärztekammerpräsidenten Walter Dorner ist Österreich jedoch schon "weit entfernt vom Solidarprinzip". Das Geld sei vorhanden, man müsse es nur richtig einsetzen. Franz Bittner, Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, meinte hingegen: "Wir haben keine Kostenexplosion, sondern zu wenig Geld im System." Er wünscht sich "eine Verbreiterung der Beitragsgrundlage" für die Krankenkassen.

Ineffizienz im System

Für Andreas Penk, Chef von Pfizer Österreich, liegt die Lösung in größerer Transparenz. Er empfahl, Kostenströme sektorübergreifend zu gestalten, denn: "Im Moment erstellt jeder seine Budgets, und das führt zu Ineffizienz." Kandlhofer plant eine Patienteninformation, "damit der Versicherte weiß, welche Beträge für ihn ausgegeben wurden".

Beim Thema "Herausforderungen für den Spitalbereich" meinte Julian Hatschieff, Geschäftsführer des privaten Spitalbetreibers Humanomed, dass man im stationären Bereich zehn Prozent einsparen könnte, ohne die Qualität der Dienstleistung zu beeinträchtigen. "Sinnvoll" wären da etwa bessere Strukturen zwischen Akutaufenthalt und Rehabilitationszentrum. Und der Patient müsste in die Entscheidungen eingebunden werden. Die Gesundheitsministerin stimmte mit ihm überein: "Wir brauchen Transparenz für Versicherte und Transparenz im System." (DER STANDARD, Printausgabe, 30.5.2003)