Brüssel/Athen - Mit Unterstützung der EU-Taskforce sollen die Griechen künftig ihre Hausaufgaben für EU und IWF schneller erledigen können. Davon ist der Chef der EU-Taskforce für Griechenland, Horst Reichenbach, überzeugt. Die Taskforce könne dazu beitragen, dass die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) künftig auf weniger Probleme stößt, wenn es darum geht, die Fortschritte bei der Schuldensenkung Griechenlands zu überprüfen. "Das Troika-Drama, das wir jetzt erleben, darf sich nicht alle drei Monate wiederholen. Das muss reibungsloser ablaufen als dieses Mal. Die Griechen haben das hoffentlich verstanden, und ich will sie dabei unterstützen, ihre Hausaufgaben bis Dezember zu machen", sagte Reichenbach in der "Handelsblatt"-Onlineausgabe.

"Wenn die Troika im Dezember nach Athen fährt, sollte alles soweit bereit sein, dass sie nur noch ihre Häkchen machen muss." Reichenbachs EU-Taskforce soll dem hoch verschuldeten Staat beim Wiederaufbau der maroden Wirtschaft helfen.

Der Taskforce-Chef teilt die Ansicht vieler Ökonomen nicht, dass Griechenland nur noch mit einem Schuldenschnitt eine Chance hat. "Ökonomen haben nicht immer recht", sagte er. Obwohl viele von ihnen vor einer Währungsunion gewarnt hätten, sei der Euro Realität geworden und die deutsche Wirtschaft habe davon profitiert.

Reichenbach rechnet damit, dass die Taskforce der EU mindest zwei bis drei Jahre in Griechenland tätig sein wird. Als besonderes Wachstumshemmnis in Griechenland gelten die unterkapitalisierten Banken, die kaum mehr Kredite an Unternehmen vergeben. Hier will die EU einspringen. "Zum einen wollen wir mit den Strukturfonds einen Teil der Kreditlücke füllen. Zum anderen wäre es sicher wünschenswert, die Banken selbst zu unterstützen - etwa mit Mitteln aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF", sagte Reichenbach. Zur Unterstützung von Menschen, die ihre Jobs im Zuge der Entlassungen im öffentlichen Sektor verlieren, kündigte er Hilfe aus dem europäischen Sozialfonds an.

Zu den Wachstumschancen für Griechenland zählt Reichenbach den Ausbau der Sonnenenergie. Nach seinen Worten müssen auch Stromkunden in Deutschland aber damit rechnen, für den dortigen Aufbau einer Solarenergieproduktion zu Kasse gebeten zu werden. "Sonnenenergie kann in Griechenland zwar kostengünstiger hergestellt werden als bei uns, ist momentan aber in der Tat noch nicht wettbewerbsfähig", sagte er. Deshalb sei eine Förderung notwendig, an der deutsche und griechische Behörden derzeit arbeiteten. Das würde eine Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes erfordern, räumte er ein. (APA)