Bild nicht mehr verfügbar.

Silvio Berlusconi, Partytiger

Foto: Reuters/Bianchi

Rom - Vom Erpressungsopfer zum Täter: Dem italienischen Premier Silvio Berlusconi droht eine neue Untersuchung in Zusammenhang mit dem Skandal um Callgirls, die den Regierungschef belastet. Bisher galt Berlusconi als Opfer einer Erpressung seitens des skandalumwitterten Unternehmers Giampaolo Tarantini. Dieser wird beschuldigt, vom Premier 850.000 Euro für sein Schweigen über die Beziehungen zwischen dem Regierungschef und den Callgirls, die er dem Regierungschef für seine ausschweifende Partys vermittelte, erpresst zu haben. Die neapolitanischen Staatsanwälte vermuten jedoch, dass der Premier Tarantini mit dem Geld zu Falschaussagen vor der Justiz bewogen habe, um die Ermittlungen irre zu führen. Sollte der Verdacht bestätigt werden, droht Berlusconi eine weitere Untersuchung, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Samstag.

Die Staatsanwälte Neapels glauben dem Verteidigungsdossier Berlusconis, in dem er behauptet, Tarantini freiwillig 850.000 Euro geschenkt zu haben, um ihm in einer schwierigen finanziellen Situation zu helfen, nicht. Berlusconi hatte vergangene Woche den Justizbehörden ein fünfseitiges Dossier vorgelegt, in dem er bestreitet, Opfer einer Erpressungsaffäre zu sein. Der Premier hatte sich nach Vorlage seines Memorandums zu einem Treffen mit den Staatsanwälten geweigert.

Die Ermittler vermuten, dass sich Tarantini mit der Vermittlung attraktiver Frauen politische Begünstigungen für seine Geschäfte im Gesundheitsbereich sichern wollte. Tarantini war Inhaber einer Gesellschaft, die auf Dienstleistungen im Gesundheitswesen spezialisiert ist. Seit dem 1. September befindet er sich in Neapel in Untersuchungshaft. (APA)