Kairo - Der Chef des regierenden Militärrates in Ägypten, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, hat am Samstag erstmals im Prozess gegen den früheren Präsidenten Hosni Mubarak als Zeuge ausgesagt. Über den Inhalt seiner Aussagen wurde nichts bekannt, weil das Gericht unter Berufung auf die "nationale Sicherheit" Geheimhaltung angeordnet hatte. Tantawi war 20 Jahre lang Verteidigungsminister unter Mubarak.

Tantawis Zeugenaussage könnte zur Klärung der Frage beitragen, ob Mubarak die Armee gegen Demonstranten einsetzen wollte und ihr den Schießbefehl erteilt hat. Mubarak ist der Tötung von mehr als 800 Demonstranten während der Massenproteste im Jänner und Februar angeklagt. Die Gewalt gegen die protestierenden Menschen war von Polizei, Geheimdienst und bewaffneten Schlägertrupps des Regimes angewandt worden. Die Armee hatte sich neutral verhalten. In einer Rede im Mai hatte Tantawi angedeutet, dass sich die Streitkräfte geweigert hätten, der Aufforderung Mubaraks zu folgen und gleichfalls gegen die unbewaffneten Demonstranten vorzugehen.

Große Teile der ägyptischen Öffentlichkeit sind unzufrieden mit der Entwicklung seit Mubaraks Sturz und dem Einbruch der Wirtschaft seit Beginn der Volkserhebung. Jugendgruppen setzen die Proteste gegen die Streitkräfte fort, die sie beschuldigen, den Übergang zu einer Zivilregierung zu verschleppen und Mubaraks alte Seilschaften an der Macht zu halten. Dem Militär werden auch Menschenrechtsverletzungen und Folter vorgeworfen. (APA)