Massentierhaltung findet immer mehr aktive Gegner, die - zu Recht - auch nicht vor sehr öffentlichkeitswirksamen Aktionen zurückschrecken, um dagegen an zu kämpfen.

Aber: haben Sie schon einmal Mütter gesehen, die sich vor dem Familienministerium anketten, um gegen unverantwortlich viele Kinder in einer Kindergartengruppe zu protestieren? Kennen Sie Mütter, die vor dem Frauenministerium aufmarschieren, um gegen unzumutbare Öffnungszeiten von Kindertagesstätten aufzutreten? Sind Ihnen Aktionen von Kindergartenpädagoginnen bekannt, die zuständige Landespolitiker wegen unzumutbarer Arbeitsumstände so aufgebracht attackierten, dass diese Polizeischutz einforderten? Konnten Sie schon einmal davon lesen, dass Menschen das Bildungsministerium zu erstürmen versuchten, weil ihren Kindern Chancengleichheit durch schlechte Bildungsbedingungen im Kindergarten verwehrt wird?

Länderegoismen vor Zukunftssicherung

Unser Problem in Österreich ist der Länderpartikularismus. Österreich weit vergleichbare hohe Standards und einheitliche Qualitätskontrollen sind einfach nicht zu erreichen - da können noch so himmelschreiende Unzulänglichkeiten bestehen.

Schon so verhältnismäßig leicht überwindbare Schwierigkeiten wie den "grenzüberschreitenden" Kindergartenbesuch in einem anderen Bundesland sind dem Nationalrat und den Landtagen im zur Beschlussfassung vorliegenden Entwurf zur Neuordnung Kindergartenbesuches keine Anstrengungen wert, hier regulierend einzugreifen.

Wie auch die von allen Seiten so dringend geforderte Sprachförderung darin keine Beachtung findet.

Große Gruppen breiter Usus

In Österreich gibt es 8.075 "institutionelle Kinderbildungseinrichtungen", davon 4.887 Kindergärten und 1.117 Kinderkrippen. Insgesamt sind für die Bildung und Betreuung von 309.491 Kindern 49.313 Mitarbeiter eingesetzt - wie viele davon Pädagoginnen sind, geht aus der Statistik nicht hervor (alle Zahlen laut Statistik Austria vom 22.06.2011).

Ein sich daraus statistisch errechnendes Kinder-Personal-Verhältnis von knapp über sechs Kindern je Mitarbeiter scheint ideal. Kindergartenpädagogin erzählen etwas anderes aus ihrem Alltag: 25 und mehr Kinder je Gruppe sind breiter Usus. Ob nach den derzeitigen gesetzlichen Erfordernissen ausgebildete Pädagoginnen überhaupt stets anwesend sind (und nicht "nur" Helferinnen) darf angezweifelt werden.

Für Qualität und Quantität sind in erster Linie neun Länder mit neun unterschiedlichen Gesetzen, 2.357 Gemeinden und unzählige Institutionen (von Kirchen- und Religionsgemeinschaften bis Eltern verwaltete Einrichtungen und Einzelunternehmen) sowie vier Ministerien zuständig.

Uneinheitlich und unbefriedigend

Was das bedeutet, ist unschwer festzumachen: Qualität- wie Quantitätsstandards sind entsprechend uneinheitlich - und für alle Betroffenen gleichermaßen zumindest unbefriedigend.

Wirkliche Qualität in Bildung und Betreuung ist unter den derzeit herrschenden Bedingungen nur sehr eingeschränkt möglich. Die Politiker müssen sich endlich ihrer sozialen und bildungspolitischen Verantwortung stellen, und nicht bei den Ärmsten der Armen, die sich nicht wehren können - den Kindern - und damit an unserer Zukunft - sparen!

Die Verantwortungsträger müssten in einem ersten Schritt organisatorische Veränderungen in Angriff nehmen. Als Vorschlag:

1. der Gruppengröße (je nach Alter der Kinder von 14 - 20 Kinder)
2. mindestens zwei Fachkräften pro Gruppe und
3. mehr Vorbereitungsstunden
4. Freistellung für kostenlose einschlägige Fort- und Weiterbildung
5. für alle neuen Aufgaben - wie zum Beispiel verpflichtendes letztes Kindergartenjahr mit besonderer Bildungsförderung - braucht es vermehrt Weiterbildungsangebote und die stärkere Einbindung von Personen mit anderer Muttersprache
6. weniger Schließzeiten.

Was wir tun können?

Wir müssen alle am gleichen Strang ziehen: wir brauchen inhaltliche und legistische Änderungen, wir brauchen mehr Geld - was derzeit aus der Politik kolportiert wird, ist "bildungspolitisch verrückt und ein Verrat an der jungen Generation", so Univ.Prof. Dr. Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. (Leser-Kommentar, Johannes-Maria Lex, derStandard.at, 26.9.2011)