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Fand der US-Präsident für Frankreichs Staatschef Chirac versöhnliche Worte, so ist für das Verhältnis Bush - Schröder weiterhin keine Besserung in Sicht

Foto: APA/dpa/Tim Brakemeier

Nach dem Vorspiel in Sankt Petersburg schlägt am Sonntag der Ernst der Stunde, wenn George Bush erstmals seit dem Irakkrieg wieder den Fuß auf französischen Boden setzt. Wenn er dem Anführer der Kriegsgegner, G-8-Gastgeber Jacques Chirac, die Hand schüttelt, werden Journalisten jedes Wort, jede Geste registrieren. Wie freundlich wird Bush Chirac grüßen? Die Frage weckt fast mehr Interesse als die lange Schlusserklärung des G-8-Gipfels.

Eine klare Antwort ist nicht zu erwarten. Bush wich ihr auch in einem Gespräch mit ausländischen Journalisten vor seiner Abreise nach Europa aus. Auf die Frage, ob er wütend auf Chirac sei, meinte Bush: "Ich bin nicht wütend, nur enttäuscht." Als kleine Geste fügte er gar schmunzelnd an: "Vive la France!", mahnte aber zu "Realismus".

In Evian wird Bush nur gerade eine Nacht verbringen, um bei Halbzeit des Gipfels nach Ägypten zu verreisen. Damit setzt er wohl das klarste Zeichen. Der Nahost-Abstecher liefert Bush einen guten Vorwand, den G-8 so rasch wie möglich zu verlassen. Immerhin zwängt der US-Präsident am Montag noch ein bilaterales Gespräch mit Chirac in seine Agenda. Mit dem deutschen Kanzler Gerhard Schröder trifft er sich gar nicht erst unter vier Augen.

Die G-8-Wirte versuchen, aus dem Gipfel das Beste zu machen. Mit süßsaurem Lächeln drückte die Elysée-Sprecherin ihr "volles Verständnis" für Bushs verfrühte Abreise aus. Chirac wird sie nachahmen: Als "Kriegsverlierer" international isoliert, als Gastgeber zu guten Manieren gezwungen und innenpolitisch durch Pensionsreform-Streiks bedrängt, kann er sich keinen Fauxpas leisten. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.5./1.6.2003)