Salzburg – Die Sperre der Tauernautobahn bei Hallein in Richtung Süden, die sich "gegen Transitverkehr und Sozialabbau" wendete, wurde nach einer halben Stunde beendet. Die Protestteilteilnehmer – vor allem Vertreter des Austrian Social Forums – machten sich wieder zu Fuß auf den Rückweg in die Stadt Hallein. Das befürchtete Verkehrschaos ist nach Angaben der Gendarmerie ausgeblieben. Der Stau betrug "lediglich" vier Kilometer.

"Verkehr mal anders" – Unter diesem Motto (Banner sechs mal vier Meter forderte die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 bei der Blockade eine Trendwende in der Verkehrspolitik. "Der immerzu ansteigende Straßenverkehr ist kein Naturgesetz, sondern die Folge einer verfehlten autozentrierten Verkehrspolitik", so Heinz Högelsberger, Verkehrsreferent von GLOBAL 2000.

"Gerade die Tauernstrecke zeigt anschaulich auf, wie der 'Autowahnsinn' zur Methode wird: So möchte das Verkehrsministerium um rund 250 Millionen Euro den Tauern- und Katschbergautobahntunnel mit einer zweiten Röhre versehen, während der Ausbau der parallel dazu verlaufenden Tauernbahn noch gut zwei Jahrzehnte auf sich warten lässt", kritisierte Högelsberger. Die Konsequenzen liegen für GLOBAL 2000 auf der Hand: "Die Transitlawine wird Salzburg genauso überrollen, wie es am Brenner schon der Fall ist. Gleichzeitig nimmt man dadurch der Bahn – als saubere Alternative – jegliche Zukunftsperspektive und setzt sie einer unnötigen und übermächtigen Konkurrenz aus."

Laut ASF demonstrierten rund tausend TeilnehmerInnen des derzeit in Hallein stattfindenden Austrian Social Forums auf der A10 Tauernautobahn "gegen Transithölle und Sozialabbau". Die Demonstration sei friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen, zahlreiche AutofahrerInnen auf der Gegenfahrbahn hätten durch rhytmisches Hupen ihre Zustimmung bekundet.

Auf der Demonstration sprach auch Rubia Salgado vom Linzer MigrantInnenverein MAIZ: "Wir MigrantInnen und Flüchtlinge werden eure Straßen benützen, um hierher zu kommen, und wir werden hier bleiben. Je höher die Mauern rund um Europa gebaut werden, desto höher werden wir klettern."

Insgesamt waren am Freitag – trotz Badewetter – etwa 1500 Personen beim ASF. Die Palette der unterstützenden Organisationen ist breit: Sie reicht von christlichen Gruppen über die KPÖ, von den Grünen bis zu Greenpeace. Ebenfalls vertreten sind GPA und Eisenbahnergewerkschaft, das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die ÖH.

Inhaltlich versuchen die Veranstalter, die Punzierung "Globalisierungsgegner" los-zuwerden. "Wir sind keine Gegner, sondern Globalisierungsgestalter", erläutert Klaus Werner im STANDARD-Gespräch.

"Offen nach rechts"

Kritik an der Einladungspolitik beim ASF kommt indes vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW). Heribert Schiedel spricht von einer "offenen Flanke nach rechts". Konkret meint er die Einladung des deutschen Journalisten Franz Alt, der sogar in der National Zeitung von Gerhard Frey publiziert habe.

Für Werner sind die Vorwürfe Schiedels "grober Schwachsinn". Abgesehen davon, dass Alt nicht nach Hal- lein gekommen sei, habe man die Publikationstätigkeit des Umweltjournalisten einfach nicht recherchiert. Allerdings gebe es sehr wohl den Versuch der rechten Szene, die globalisierungskritische Bewegung zu unterwandern. (APA/red/neu/DER STANDARD, Printausgabe, 31.5./1.6.2003)