Bild nicht mehr verfügbar.

Premierminister Mahmoud Jibril erhält von den Vereinten Nationen mehr Sympathie als von den Rebellen in Misrata und Zintan.

Foto: REUTERS/Chip East

Bild nicht mehr verfügbar.

Misrata im Mai: Ein zerstörter MiG-23 Kampfjet am dortigen Flughafen.

Foto: REUTERS/Zohra Bensemra/Files

Bild nicht mehr verfügbar.

Während Jibril & Co. versuchen, die Demokratie auf diplomatischem Weg durchzusetzen, wird um Sirte noch gekämpft.

Foto: REUTERS/Esam Al-Fetori

Der Weg in die Demokratie ist kein leichter. Muammar al-Gaddafi ist zwar schon seit längerer Zeit nicht mehr an der Spitze des Landes und hat keine Kontrolle mehr über die Armee, doch die früheren Rebellen haben beim Wiederaufbau des Landes Probleme. Interne Streitereien lähmen den Nationalen Übergangsrat rund um Mustafa Abdul Jalil und Mahmoud Jibril.

***

Mohamed Benrasali ist ein wichtiger Mann bei den Rebellen. Vor allem in seiner Heimatstadt Misrata hat sein Wort Gewicht, er gilt als einer der Architekten des neuen, stabilisierten Libyens. Trotzdem lagern die Truppen, die er in Misrata anführt, gefundene und erbeutete Waffen der Armee des geschassten Führers Muammar al-Gaddafi die Waffen selbst und übergeben sie nicht der Übergangsregierung. "Warum sollten wir?", fragt Benrasali den Reporter der New York Times. "Das ist die Beute des Krieges!"

Die internen Streitigkeiten und regionalen Rivalitäten stehen den früheren Rebellen nun beim Regieren im Weg. „Wir in Misrata werden Mahmoud Jibril nie akzeptieren", sagt Benrasali. Der Regierungschef der Übergangsregierung hat in Misrata nur eine geringe Lobby. Zu kurz wäre sein Aufenthalt im Gaddafi-Libyen gewesen. "Jibril sorgt für Spannungen, er ist keine Person, die Libyen vereint", bekrittelt Benrasali und legt Jibril gleich den Rücktritt nahe: "Das wäre das Ehrbarste."

"Der nächste Premierminister muss ein Libyer sein, ein Libyer, der keinen zweiten Reisepass besitzt (Anm.: Es gibt Gerüchte über eine mögliche andere Staatsbürgerschaft Jibrils), ein Libyer, der für die letzten 42 Jahre in Libyen gelebt hat", fordert Benrasali. Den passenden Nachfolger hat er in petto: Abdul Rahman al-Swehli, ein Spross einer in der Region bekannten Familie.

Selbes Bild in Zintan

Ähnlich verhält es sich in Zintan. "Wir haben - wie die Menschen in Misrata - den höchsten Preis bezahlt", sagt ein hochrangiges Mitglied der dortigen Führungsriege. „Es ist gar keine Frage, wer den Premierminister stellt, den Verteidigungsminister, den Innenminister, den Außenminister, den Justizminister - in der Übergangsphase sollten diese Posten natürlich den Menschen zugesprochen werden, die die Revolution getragen haben. "Vor allem, da Mustafa Abdul Jalil - der Vorsitzende des Übergangsrates - aus dem Osten Libyens, genauer gesagt aus al-Baida, stammt. Andere Posten sollten deshalb in den Westen gehen, nach Misrata, Zintan oder in die Nafusa Berge.

Der Chef ist anderer Meinung

Im Osten sieht man das natürlich ein wenig anders. "Bengasi trug während der Revolution die Last des Landes", sagt Shamsiddin Abdul Molah, ein Sprecher des Nationalen Übergangsrates. Er gibt zu, dass die Lobby des Übergangsrates im Moment eine geringe sei. Eine Gruppe Rebellen würde Waffen horten und Gefangene festhalten. Er hofft aber auf Wahlen, welche die neue Regierung legitimieren würde.

Anhänger von Premier Jibril schieben die Schuld am Stillstand den rebellischen Städten Misrata und Zintan zu. Jibril habe eine wichtige Rolle in der Rebellion gespielt. Der Premierminister selbst lehnt Spekulationen über Machtverschiebungen ab. Städte wie Zintan und Misrata hätten zwar eine Priorität beim Wiederaufbau. "Die Mitgliedschaft im Nationalen Übergangsrat ist ein Recht, welches jedem von uns zusteht." Auch Surt und Tobruk hätten zwei Plätze, obwohl Tobruk die Rebellen früh unterstützte, während Surt erst verspätet Sympathien signalisierte. (flog, derStandard.at, 26.9.2011)