Die guten Beziehungen zum Boulevard demonstriert Werner Faymann auch abseits von Inseratenschaltungen: bei der Eröffnung des "Heute"- Newsrooms mit Herausgeberin Eva Dichand

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... und beim Posieren mit seinem Jugendfreund, "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner.

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Der verstorbene "Kronen Zeitung"-Herausgeber Hans Dichand wäre "auch auf einen Sohn wie Faymann stolz" gewesen.

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Wien - Es sind exzellente Beziehungen, die Österreichs Kanzler Werner Faymann (SPÖ) zu den Boulevard-Medien des Landes genießt - und um die er schon als Verkehrsminister von seinen Kollegen beneidet wurde. Vor allem zur auflagenstärksten Tageszeitung des Landes, der "Kronen Zeitung", hat er einen guten Draht. Schließlich war Chefredakteur und Herausgeber Hans Dichand bis zu seinem Tod 2010 über Jahrzehnte ein persönlicher Freund. Wie auch Wolfgang Fellner, Herausgeber der Tageszeitung "Österreich", mit dem Faymann seit Jugendtagen befreundet ist.

Bei seinem Amtsantritt 1994 als Wohnbaustadtrat in Wien stand Faymann ein Werbebudget von einer Million Euro zur Verfügung - Geld, das er geschickt nutzte, um sein Netz an Medienkontakten auszubauen.

2007 wurde Faymann Verkehrsminister, und das Werbebudget explodierte. Standen 2007 noch 1,3 Millionen Euro zu Verfügung, waren es 2008 schon 6,2. "Darin waren Inserate, die von ÖBB und Asfinag mit dem Porträt von Faymann geschaltet wurden, gar nicht enthalten", sagt Grünen-Abgeordneter Karl Öllinger, der die Zahlen mittels parlamentarischer Anfragen sammelte.

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) sieht im Zusammenhang mit der Inseratenkampagne der ÖBB jetzt "Erklärungsbedarf". Die ÖVP sei davon "schon irritiert". Ob es einen Untersuchungsausschuss geben soll, habe das Parlament zu entscheiden. Die Parlamentsfraktionen von SPÖ und ÖVP geben sich über ihren weiteren Fahrplan betreffend den Ausschuss zu Korruptionsaffären im staatsnahen Bereich jedenfalls noch verschlossen.

"Wie bei einer Schnitzeljagd"

Das parlamentarische Kontrollinstrument der Anfragen gestaltet sich jedenfalls seit Jahren immer schwieriger. "Einige Ministerien verteilten ihre Antworten auf verschiedene während des Jahres eingebrachte Anfragen. Wie bei einer Schnitzeljagd", sagt Öllinger. Es gebe deshalb kaum aussagekräftige und für einen längeren Zeitraum geltende Zahlen.

Bei den meisten Ressorts fehlen Antworten zu Fragen über Medienkooperationen und Druckkostenbeiträge. So scheinen die Budgets in Summe zwar zu sinken, sind aber lediglich aufgesplittet. Öllinger will nun eine parlamentarische Anfragenserie starten. Insgesamt sollen 27 Millionen Euro von Jänner bis Oktober 2010 für Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben worden sein. Das ergibt eine Anfrage des FPÖ-Abgeordneten Wolfgang Zanger. Spitzenreiter war Exfinanzminister und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) mit über vier Millionen. Dicht gefolgt von Faymann, der, obwohl ohne eigenes Fachressort, mehr als drei Millionen in Werbung steckte.

Schlagseite Richtung Boulevard

Deutlich mehr als die Hälfte ging an die Boulevardmedien "Krone", "Heute" und "Österreich". Überhaupt weisen die SPÖ-geführten Ressorts eine Schlagseite Richtung Boulevard auf. Die Anteile für die drei Printmedien bewegen sich stets zwischen dreißig und 45 Prozent der Ausgaben, sagt Karl Öllinger.

Die Werbebeobachter von Focus bestätigen den Hang der Politik zum Boulevard: Sie verglichen, welchen Anteil einzelne Titel an der kommerziellen Werbung in Zeitungen hatten - und welchen Anteil an politischer Werbung, also Schaltungen von Parteien, von öffentlichen Institutionen wie Ministerien oder Kammern sowie von politiknahen Unternehmen.

Sie fanden "massive" Unterschiede, sagt Focus-Manager Josef Leitner: Während 2010 5,1 Prozent der kommerziellen Werbung in Zeitungen in "Heute" landeten, verbuchte die Gratiszeitung 15,5 Prozent der Politwerbung. "Österreich" hat 15,1 Prozent der Politik- und 9,9 Prozent der Wirtschaftswerbung. Auch in der "Krone" ist die Politik überrepräsentiert.

Martina Hörmer, Präsidentin der International Advertising Association in Österreich, rät der Politik, ihre Werbeaktivitäten zu "professionalisieren". Hörmer: "Öffentliche Meinung in Österreich darf nicht durch Inserate erkauft werden. Hier geht es schließlich um Steuergeld." (Harald Fidler/Saskia Jungnikl/DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2011)