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Im Ultraschall ist das Erkennen eines Bauchaortenaneurysmas keine große Hexerei.

Wien - Mehr als 1,5 Millionen über 60-Jährige sind in Österreich von Gefäßerkrankungen betroffen - Tendenz steigend. Eine besonders gefährliche, lebensbedrohliche Form ist laut Gefäßforum Österreich (GFÖ) das Bauchaortenaneurysma. Das Risiko, daran zu erkranken, steige ab dem 60. Lebensjahr drastisch an. Unter dem Motto "Gefäße sind Leben!" will man nun die Bevölkerung über schwerwiegende Gefäßerkrankungen aufklären, Präventionsmaßnahmen forcieren und zu einem gesünderen Lebensstil motivieren.

Die Zahl der über 60-Jährigen wird sich in den kommenden Jahren verdoppeln, die Zahl der über 80-Jährigen verdreifachen, hieß es am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Dadurch werde sich auch die Zahl der Bauchaortenaneurysma-Erkrankten "dramatisch vervielfachen". "Ein Bauchaortenaneurysma kann jeden treffen. Mit unserer Initiative wollen wir bei den Österreichern ein Bewusstsein für die Erkrankung schaffen", erklärte Geschäftsführer und Vorstand Marcus Wilding die Motivation für die Gründung des GFÖ.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne steht das Bauchaortenaneurysma - die häufigste Form. Studien zufolge tritt es bei fünf bis zehn Prozent der über 60-Jährigen auf - und da vor allem bei Männern. Primarius Afshin Assadian, Vorstand der Gefäßchirurgie des Wilhelminenspitals Wien und Wissenschaftlicher Sprecher des GFÖ: "Leider haben auch die Fälle, in denen es zu einer Ruptur, also zum lebensgefährlichen Platzen des Gefäßes kommt, besorgniserregend stark zugenommen. Für rund 90 Prozent der Betroffenen endet ein solcher Vorfall tödlich: Die Dunkelziffer liegt bei geschätzten 900 Todesfällen pro Jahr."

Zufällige Diagnose

Die Ursache für diese Entwicklung sieht Assadian darin, dass in Österreich Risikopopulationen nicht gezielt auf ein Bauchaortenaneurysma untersucht werden. "Die Betroffenen wissen oft gar nicht, dass sie an diesem leiden. Sie sind sich auch über die Risiken und Gefahren dieser Erkrankung gar nicht bewusst. Dabei kann ein Bauchaortenaneurysma durch eine einfache Ultraschalluntersuchung sehr gut erkannt werden", so Assadian.

Auch der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner, ergänzte: "Gezielte Vorsorge führte in Skandinavien zu einem Rückgang an geplatzten Bauchschlagadern um ein Drittel. In Österreich erfolgt die Diagnose Bauchaortenaneurysma leider immer noch meist zufällig. Experten schätzen, dass sechs von sieben Betroffenen unbehandelt bleiben."

Wird ein Betroffener noch rechtzeitig von einem erfahrenen Team im Krankenhaus behandelt, so liegen die Überlebenschancen bei 50 Prozent. Doch die Folgen sind meist gravierend: Künstlicher Darmausgang, Verlust der Nierenfunktion mit notwendiger Dialyse, Amputationen, Wundheilungsstörungen und eine lange Genesungszeit. Hauptrisikofaktoren bei Bauchaortenaneurysmen sind Alter, männliches Geschlecht, Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride), Vorhandensein von Hernien, andere arterielle Gefäßerkrankungen und ein Aneurysmaleiden in der Familie. (APA)