Gerade erst konnte sich Tschechiens Finanzminister Miroslav Kalousek ein wenig im Erfolg sonnen, als er in Washington am Rande der jährlichen IWF-Tagung - übrigens schon zum zweiten Mal - die Auszeichnung für den besten Finanzminister Mittel- und Osteuropas bekam. Doch zu Hause steht Kalousek seit gut einer Woche im Kreuzfeuer der Kritik.

Vor einigen Tagen ohrfeigte er in Prag unweit des Parlaments einen jungen Mann, der ihn angepöbelt hatte. Dann zog er in einigen Interviews über Premier Petr Neèas von den rechtsliberalen Bürgerdemokraten (ODS) her. Dieser sei angeblich zu stark von den "Paten" in seiner Partei abhängig - einflussreichen Geschäftsleuten, die über beste Beziehungen zu lokalen und regionalen Entscheidungsträgern verfügen und diese zu ihrem Vorteil nutzen.

Der Regierungschef revanchierte sich, indem er öffentlich die Frage stellte, ob der Finanzminister nicht überarbeitet sei und psychische Probleme habe. Kalousek gilt im Kabinett als gefährlichster Gegner von Neèas und sucht mit ihm laufend die Konfrontation.

Nun setzte der Minister noch eins drauf, indem er zwei besonders europaskeptische EU-Abgeordnete von Neèas' ODS als Idioten bezeichnete. Die beiden hatten Kalousek vorgeworfen, sich auf den EU-Ministertreffen allzu oft vertreten zu lassen, wodurch mehrmals mit tschechischer Zustimmung Beschlüsse gefasst wurden, die über das vom Kabinett beschlossene Mandat hinausgingen.

Kalousek ist der Stratege der konservativ-liberalen Top-09-Partei, die von Außenminister Karl Schwarzenberg geführt wird. Dementsprechend unentbehrlich ist Kalousek für deren Fortbestand, insbesondere im Hinblick auf kommende Wahlkämpfe.

Zu den wichtigsten Entscheidungen der nahen Zukunft dürfte die Präsidentenwahl im Jahr 2013 werden, die höchstwahrscheinlich erstmals als Direktwahl stattfinden wird. Und Kalouseks Chef Schwarzenberg hat bereits angekündigt, kandidieren zu wollen, wenn es seine Gesundheit erlaubt. (Robert Schuster aus Prag, STANDARD-Printausgabe, 28.9.2011)