Jeder Erfinder braucht Inspiration. Zwischen der Präsentation der Projekte und Jurygesprächen erholen sich die Jugendlichen vom harten Forscherdasein.

Foto: Eucys

Azza Abdel Hamid Faiad ist 16. Sie geht in Alexandria in die Schule und sagt, sie habe einen Weg gefunden, Plastik mithilfe eines bestimmten Katalysatorstoffes effizient in Treibstoff umzuwandeln. Im Moment arbeite sie an ihrem Businessplan. Die Methode müsse kostengünstig in industrielle Abläufe einzubinden sein, erklärt sie. Die Ägypterin forscht nicht im Rahmen eines Schulprojekts, sie hatte sich ganz einfach nur dafür interessiert.

Gemeinsam mit 133 anderen Forschern unter 21 Jahren hat sie sich in der Veranstaltungshalle in einem alten Kraftwerk in der finnischen Hauptstadt Helsinki eingefunden. Fünf Tage lang wird hier der 23. EU-Contest for Young Scientists (Eucys) ausgetragen. In Länderausscheidungen haben sich die Jugendlichen als Elite einer voruniversitären Beschäftigung mit Wissenschaft herauskristallisiert. Jetzt sitzen sie am Boden vor ihren Präsentationsständen, vor Prototypen, Laptops und Ablaufplänen - und bauen Türme aus Strohhalmen. Die "Tower Competition" soll das Warten auf die Jurygespräche verkürzen.

87 Projekte sind hier versammelt. Manche Erfinder haben ausgeprägte wirtschaftliche Interessen, manche pflegen ihr Image als Nerds. Nicht weit von Haoyang Fang aus China, der einen Beschleunigungssensor auf sein Skateboard packt, um per Software Sprünge auszuwerten, sitzt Hilit Oreny aus Israel wie eine Insel zwischen Biotechnologen und IT-Entwicklern. Ihr Thema: Wie der französische Philosoph Georges Sorel Benito Mussolini beeinflusst hat. Am anderen Ende der Halle präsentieren zwei Deutsche eifrig ihre Idee für ein Mundwasser. Ihre Geheimwaffe: Ringmoleküle aus Traubenzucker.

Nach den Jurygesprächen des Tages sitzen die Kids in einem Hörsaal der Universität Helsinki vor einer Powerpoint-Folie mit den Worten: "Was soll ich mit meinem Leben anfangen?" Der Vortragende bewirbt eine Karriere in der Wissenschaft und seine Uni, bevor ein Plasmaphysiker erklärt, wie Kernfusionsreaktoren funktionieren, und zwar im Detail.

Aus Österreich sind drei Teams dabei. Eva Christine Schitter und Amin Kraiem, beide 17, von der HLFS Ursprung haben unterschiedliche Mutationen des Gens identifiziert, die das unterschiedliche Geschmacksempfinden beim Süßstoff Stevia bedingen.

Genforschung aus Salzburg

"14 Prozent der Menschen mögen es auf alle Fälle", ist eines ihrer Ergebnisse, was auch den Industriepartner freut. Ein paar Stände weiter erklären Barbara Schamberger und Kerstin Zimmer von der HTL Braunau, wie ihre DNA-Analysen ergaben, dass Fieberblasen nicht vererbt werden. Pavitter Josan und Gökhan Özdemir von der HTL Salzburg wollen die Schaufensterwerbung revolutionieren. Sie entwickelten einen "berührungslosen Bildschirm", mit dem Passanten durch Gesten interagieren können. Das würde "gleich viel kosten wie ein herkömmliches Werbesystem". Österreichs Teilnehmer sind Preisträger von Jugend Innovativ, eines Wettbewerbs des Bildungs- und Wirtschaftsministeriums, den die Austria Wirtschaftsservice AWS veranstaltet.

Victor Kaas vom Europäischen Patentamt ist einer der Juroren. In der Beurteilung achtet er darauf, dass Projekte originär sind. "Man fühlt, ob es wirklich ihr Projekt ist oder ob es an sie weitergereicht wurde", sagt er zum Standard. Er habe schon ein paar Kandidaten für Patente ausgemacht.

Erste Preise gingen schließlich an den Iren Alexander Amini, dessen Software aufgrund von Sensordaten Tennis-Schlagtechniken unterscheidet, an den Schweizer Pius Markus Theiler für ein neues Sicherungsgerät für Kletterer und an den Litauer Povilas Kavaliauskas, der zur Rolle von Fliegen bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien forschte. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2011)