Die aktuelle Finanzkrise hat gesellschaftliche Strukturen zerrüttet. Davon zeugen nicht zuletzt die Millionen Arbeitslosen, die in Europa und den USA seit 2008 Arbeit suchen. Eine Antwort könnten Innovationen sein, nicht in Form neuer Erfindungen und Produkte, sondern im Sozialen. "Die Krise macht soziale Innovationen notwendig", betont Professor Josef Hochgerner, wissenschaftlicher Leiter des Wiener Zentrums für Soziale Innovation.

Eine Konferenz mit mehr als 350 Personen aus Forschung, Politik und aus der Praxis hat dabei in Wien versucht, die möglichen Pfade fruchtbarer Innovationen abzustecken. Und weil es so schwierig ist, das Thema der sozialen Innovation auf einen Punkt zu bringen, brachten es die Teilnehmer der Wiener Konferenz auf 14 Punkte, genauer gesagt auf 14 Forschungsschwerpunkte. Die Teilnehmer stimmten per digitalem Voting über die Wichtigkeit einzelner Themen ab: Diese reichen von der Wertschaffung der sozialen Innovation bis hin zu lebenslangem Lernen in einer alternden Gesellschaft.

Hochgerner, dessen Institut zusammen mit der Technischen Universität Dortmund und dem Netzwerk Net4Society Organisator der Konferenz unter dem Titel Challenge Social Innovation war, sieht diese 14 Punkte als das "Arbeitsergebnis". Denn das 14-Punkte-Programm ist eine "Wiener Deklaration" zur sozialen Innovation. "Es ist eine Botschaft an die Scientific Community", betont Hochgerner, "um aufzuzeigen, welche Forschungsbereiche sich im Bereich der sozialen Innovation auftun."

Vielfalt als Herausforderung

Eine große Herausforderung für die "Wiener Deklaration" war die Vielfalt im Forscherfeld der Konferenzteilnehmer. Zwei Denkschulen unterscheiden sich dabei, und die Geister scheiden sich ausgerechnet bei Joseph Schumpeter, dem Ökonomen, der heute der Übervater der Innovationsforschung ist. Viele Forscher aus dem angloamerikanischen Raum stellen den sozialen Unternehmer in den Mittelpunkt. In Kontinentaleuropa hingegen wird die Verzahnung von privaten, öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Gruppen betont.

Die Konferenz jedenfalls habe ihre wesentliche Aufgabe erfüllt, glaubt Hochgerner: "Wir haben es weltweit das erste Mal geschafft, die unterschiedlichen Positionen an einen Platz zu bringen." Konkret soll nun die European School of Social Innovation gegründet werden. Studienprogramme in Wien und Krems sollen die Disziplin in der Forschungscommunity verankern.

Auf der europäischen Ebene richtet sich die Initiative insbesondere an die Europäische Kommission, und hier an die Kommissarin für Innovation und Forschung, Máire Geoghegan-Quinn. Die Wiener Deklaration wird ihr bei einer Konferenz in London im November übergeben werden, davon erhofft sich Hochgerner "ein klares Signal für die Forschungspolitik und die Forschungsförderung". (sulu/DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2011)