Ethik ist die Frage nach gutem und schlechtem Handeln. Rund 350 Jahre vor Christus beschäftigte sich bereits Aristoteles mit dem Begriff, am Dienstag war Ethik Thema bei den Österreichischen Medientagen. Die Fragestellung der Diskussion lautete "Braucht heute Ethik Mut?". Renate Skoff vom PR-Ethikrat geht es vor allem um Verantwortung. Sich gesetzeskonform zu verhalten, das sei Voraussetzung. Bei Ethik gehe es um mehr, um das Commitment einer Haltung, um Aspekte des Anstands, Aspekte der Demokratie, Aspekte der Menschenrechte.

"Es ist üblich geworden, Meinung zu kaufen"

Das derzeitige Klima begünstige Manipulation und unethisches Verhalten. Skoff: "Es ist üblich geworden, Meinung zu kaufen. Extrem in den letzten zwei Jahren." Das werde auch durch das Verhalten der Politiker maßgeblich bestimmt. Wenn dort die Grenzen fallen, dann sei es auch für die Bürger leichter, sich unethisch zu verhalten.

Attac Österreich-Mitbegründer Christian Felber unterscheidet zwischen Individualethik und Sozialethik. Bei zweiterem sei es spannend, was gesetzlich geregelt und was der Freiwilligkeit überlassen wird. Derzeit werde das Eigennutzstreben, der Egoismus bevorzugt. Egoistisches Verhalten werde belohnt, obwohl das Gemeinwohl Vorrang haben müsse.

Angst und Gier

"Es geht immer um Angst und um Gier. Und die Gier verdeckt die Angst", sagt Personalberater und Wirtschaftspsychologe Othmar Hill. Die Gier werde derzeit als positiv gesehen, nach dem Motto: Je mehr man sich nimmt, desto besser sei es. Man müsse davon abgehen, Bestechung als Kavaliersdelikt zu sehen. Hill weist auch darauf hin, dass Bestechung vor allem "von den Alphamännern" betrieben wird und spricht sich für eine Quotenregelung aus. Hill: "Die Führungsriegen sollten zur Hälfte von Männern und Frauen besetzt werden."

Anlassgesetzgebung und schwarze Schafe

Porr-Manager Karl Heinz Strauss wehrt sich gegen den Vorwurf, dass vor allem die Bauindustrie mit Korruption in Verbindung gebracht werde. Ethik bedeutet für ihn das Handeln nach Werten. Von einer Anlassgesetzgebung wegen schwarzer Schafe hält er nichts. 

Und was versteht ein Politikberater unter Ethik? Das will Moderatorin und PRVA-Präsidentin Ingrid Vogl von Fery Thierry wissen. Er stehe dazu, Lobbyist zu sein. Lobbyismus sei "ein wertvoller Beitrag für die Demokratie". Tatsache sei aber, dass die Branche in Verruf geraten sei. Doch diese Anlässe würden auch dazu beitragen, dass über Qualitätsstandards diskutiert wird. Thierry: "Ethik ist letzten Endes Vereinbarungssache".

Werber und PR-Manager Rudi Kobza definiert Ethik mit Anstand. In der klassischen Werbung habe er über Jahre gelernt, dass Werbung mit Übertreibung arbeite. Es sei nicht alles für bare Münze zu nehmen. Aber Werbung findet im abgegrenzten Bereich wie innerhalb eines Werbeblocks statt. Kobza: "Als Betrachter weiß ich, das ist Werbung." Hier sehe er die Frage der Ethik bei der Umsetzung und meint damit inwieweit etwa Humor auf Kosten von Randgruppen gehen darf.

Im Bereich der PR ist das differenzierter zu betrachten, Ziel der PR sei Vertrauensaufbau. Und hier muss die Ethik der Substanz gegeben sein. Generell definiere sich Ethik aber auch aus dem Kontext heraus.

Sagen, wer dahinter steckt

Der PR-Ethikrat will Missstände aufklären, das Problem sei immer die Beweisführung, erklärt Skoff. "Die Agentur, der Auftraggeber und das Medium sind in die Pflicht zu nehmen. Ethik ist nicht teilbar. Es geht darum, den Menschen zu sagen, wer dahinter steckt." Vom PR-Ethikrat gerügt wurde zum Beispiel eine Strecke in "Krone Bunt", die 32-Seiten-Beilage "Bekenntnisse für Wien" kurz vor der Wiener Wahl sei nicht als Werbung gekennzeichnet gewesen.

Für Thierry ist diese Krone-Beilage ein Beispiel für die Verletzung des Prinzips "keine Täuschung". Es gehe immer um die Frage, wer der Absender ist. Kobza: "Jeder PR-Manager oder Werber soll natürlich für eine Trennung sein". Eine Änderung müsse hier aber von innen nach außen stattfinden. Kobza: "Ich will nicht, dass das ein Gesetzgeber vorschreibt, sondern dass Unternehmen von sich aus solche Standards vorgeben."

Renate Skoff zum Abschluss: "Wir brauchen ein neues Werteverständnis. Wir brauchen da und dort strengere Gesetze, vor allem was Sanktionen betrifft. Jeder muss sein eigenes Handeln überprüfen. Abhängigkeiten sind der Anfang für die Korruption und damit das Ende der Ethik." (Astrid Ebenführer, derStandard.at)