Betrifft: "Vier Trugschlüsse auf dem Weg zum Bildungstod" - Eröffnung des Replikenreigens auf Josef C. Aigners durch FH-Dozent Roland Fürst in der Wochenend-Ausgabe des Standard.

Sehr geehrter Herr Fürst! Wäre man sehr bös' (was ich manchmal bin), dann könnte man sagen, Ihr Gegenkommentar ist ein Beispiel für den Qualitätsunterschied an wissenschaftlich-sachlicher Sorgsamkeit zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Warum? Weil alle Ihre vier Trugschlüsse, die Sie mir meinen attestieren zu können, schlichtweg falsch argumentiert sind.

Trugschluss Nummer eins: Ich habe punktuelle Schnelltests als Zugangsregelung in meinem Text explizit ausgeschlossen - Sie meinen, mir vorhalten zu können, dass sie nichts bringen. Fehlargument Nummer eins.

Trugschluss Nummer zwei: Ich habe die Daten über Unterschicht-Angehörige nicht aus meiner "Erfahrung" hergeleitet, wie Sie mir andichten; Ich beziehe mich auf bildungsdemografische Daten, die Sie bei der ÖSTAT nachprüfen können. Fehlargument Nummer zwei

Trugschluss Nummer drei: Ich war zwar zur unseligen Liesl-Gehrer-Amtszeit schon Hochschullehrer, aber die Studiengebühren konnten damals (wie heute) nicht "alle Probleme" lösen, wie sie unterstellen, weil diese Summe den Unis von ihren Budgets wieder abgezogen wurden. Also ein fieses Nullsummenspiel - was man wissen sollte, wenn man über diese Zeit schreibt. Fehlargument Nummer drei.

Trugschluss Nummer vier: Dass man deutsche Studierende mit Studiengebühren los würde, schreibe ich an keiner Stelle; nur, dass sie nicht auf Kosten der österreichischen Steuerzahler hier gratis studieren können sollen. Fehlargument Nummer vier.

Die Moral von der Geschicht': vier angebliche Trugschlüsse - in Wirklichkeit vier argumentative Ungenauigkeiten oder Fehler - ich hoffe, Sie arbeiten nicht immer so. - Wenn Sie schließlich meinen, meine Intellektualität verließe mich, weil es absurd sei, auf andere Selektionsmechanismen hinzuweisen, die Bildung zu etwas "Vererbten" machen, und dann auch noch Studiengebühren einzuführen, dann kann ich Ihnen nur entgegenhalten, dass die Uni-Politik nicht für die anderen Selektionsmechanismen zuständig sein kann. Diese sind anderswo zu lösen! In keinem Fall aber sind Gebühren (Stipendienbeziehern sogar erlassen) der Tod höherer Bildung - sehen Sie mal über den Campus-Tellerrand hinaus in andere europäische Länder, dann werden Sie das feststellen. (Josef Christian Aigner, DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2011)