Berlin - Die Witwe des 1987 gestorbenen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU), Freya Barschel, will Strafanzeige gegen die Lübecker Staatsanwaltschaft stellen. Ihr Anwalt Justus Warburg sagte der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag), er werde "im Auftrag der Familie eine Anzeige wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt einreichen". Offenbar hätten Beamte von Polizei oder Justiz in Lübeck "einen wichtigen Beweis verschwinden lassen", sagte er.

Damit reagiere die Familie Barschel auf einen Bericht der "Welt", wonach in der Lübecker Behörde ein Haar verschwunden ist, das in Barschels Bett im Genfer Hotel "Beau-Rivage" gefunden wurde. Es sollte auf mögliche DNA-Spuren hin untersucht werden. "Das Verschwinden eines möglicherweise entscheidenden Beweisstücks ist weder ein Zufall noch eine Panne der Justiz", sagte Warburg. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass "maßgebliche Kräfte", die seit Barschels Tod "eine Aufklärung verhindern wollten, offenbar noch immer aktiv an der Vertuschung arbeiten".

Barschel, dem angelastet wurde, eine Verleumdungskampagne gegen seinen SPD-Herausforderer Björn Engholm initiiert zu haben, war am 11. Oktober 1987 in der Badewanne seines Zimmers in dem Genfer Hotel tot aufgefunden worden. Nach dem offiziellen Ermittlungsergebnis starb er durch Selbstmord. Das Ergebnis ist jedoch umstritten, immer wieder wurde über Mord spekuliert. Israel hatte Spekulationen über eine Ermordung des Politikers durch den Auslandsgeheimdienst Mossad zurückgewiesen. Als Mordmotiv waren mögliche Verstrickungen Barschels in Waffengeschäfte vermutet worden. So soll er Kenntnis von angeblichen Rüstungsgeschäften Israels mit dem Iran gehabt haben, die über Schleswig-Holstein abgewickelt worden seien. (APA)