New York/Damaskus/Wien - Regierungstruppen und Milizionäre sollen in der syrischen Ortschaft Al-Rastan 41 Zivilisten und einen desertierten Soldaten getötet haben. Das meldeten Aktivisten der Protestbewegung am Donnerstag. Sie berichteten außerdem, Angehörige der regimetreuen Shabiha-Miliz hätten Geschäfte in dem Ort geplündert.

Wenig Aussicht auf schärfere Sanktionen

Vor erneuten Verhandlungen des UNO-Sicherheitsrats über eine Resolution gegen die syrische Regierung schwindet die Aussicht auf schärfere Sanktionen. Es wurde erwartet, dass sich westliche Diplomaten und Vertreter der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) am Donnerstag in Grundzügen auf einen Kompromiss verständigen. Dieser soll einen dringenden Appell an Syrien vorsehen, die Gewalt gegen pro-demokratische Proteste im Land zu beenden.

Nach monatelangen Differenzen über das weitere Vorgehen zwischen dem Westen und den BRICS-Staaten soll nach den Worten britischer und französischer Diplomaten in Kürze ein endgültiger Entwurf stehen. Am Freitag könnte er verabschiedet werden. In dem Kompromiss sollen der syrischen Regierung weitere Sanktionen angedroht werden, wenn sie die Militäraktionen gegen Zivilisten nicht stoppt. "Das wird nicht verwässert. Wir haben Zugeständnisse gemacht, aber der Kern ist noch enthalten. Die Androhung weiterer Sanktionen ist entscheidend", sagte der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig.

Moskau signalisiert Kompromissbereitschaft

Die jüngsten Äußerungen der russischen Delegation ließen das Interesse der Regierung in Moskau an einem Kompromiss erkennen. "Wenn der Rat tatsächlich einig ist in dem Ziel, eine politische Lösung zu finden und die Gewalt in Syrien zu beenden, dann sollten wir eine gemeinsame Basis haben", sagte der russische UNO-Gesandte Witali Tschurkin nach einem Treffen des Gremiums. "Wir sind uns heute näher als zuvor", sagte er. Einige Punkte müssten noch einmal überdacht werden. Nach Aussagen von Diplomaten nehmen die USA nicht mehr am Verhandlungsprozess teil. Die Regierung in Washington sei möglicherweise in Sorge, die Europäer könnten den BRICS-Ländern zu viele Zugeständnisse machen.

US-Botschafter bedroht

Anhänger von Präsident Assad bedrohten und beschimpften unterdessen in Damaskus den US-Botschafter Robert Ford. Augenzeugen berichteten, mehr als 100 Menschen hätten sich am Donnerstag vor einem Gebäude im Stadtzentrum versammelt, in dem sich der US-Diplomat mit dem Oppositionellen Hassan Abdul Azim unterhielt. Demonstranten bewarfen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters den Botschafter beim Betreten des Gebäudes mit Steinen und Tomaten.

Von dem Oppositionellen hieß es, die Protestierenden hätten gegen die Eingangstür des Gebäudes getrommelt und die USA mit Rufen geschmäht. Später seien Angehörige der Sicherheitskräfte gekommen, um sie zu vertreiben. Zum Inhalt seines Gespräches mit Ford sagte der Oppositionelle: "Wir sprachen darüber, dass die Proteste gegen das Regime friedlich bleiben müssen." Am vergangenen Samstag war bereits der französische Botschafter Eric Chevalier in Damaskus Opfer einer Eierwerfer-Attacke von Regimetreuen geworden. (APA/Reuters)