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Niemand kann ihn stoppen: Lionel Messi.

Foto: Reuters/Fedosenko

Borisow/Mailand - Der FC Barcelona sorgt sich um Lionel Messi. Denn der 24-jährige Argentinier erzielte beim 5:0-Auswärtssieg gegen den weißrussischen Meister Bate Borisow zwei Treffer und liegt in der ewigen Schützenliste der Katalanen auf Platz zwei. Wie der legendäre Laszlo Kubala hält Messi bei 194 Pflichtspieltoren. Sein Landsmann und Mitspieler Javier Mascherano ist fassungslos. "Wir werden Zeuge, wie Geschichte geschrieben wird, also sollten wir es einfach genießen. Denn es wird schwierig, jemals wieder einen ähnlichen Spieler wie Lionel zu sehen." Hätte Sturm übrigens Borisow geschlagen, hätte Messi in Graz gegeigt und wohl drei- bis fünfmal getroffen. Aber beides wurde verfehlt, ist theoretischer Humbug.

Alleine in der vergangenen Saison netzte "La Pulga" (der Floh) insgesamt 53-mal, und in dieser Spielzeit sind es auch schon wieder 14 Stück. Es scheint nur eine Frage von Monaten zu sein, bis die von Cesar Rodriguez gehaltene Rekordmarke (235) fällt. Angesichts dieser Zahlen wird Barcelonas Trainer Josip Guardiola panisch, im Sinne von witzig. "Wenn Messi mit 24 mit Kubala gleichzieht, was kann er da in Zukunft überhaupt noch erreichen? Ich hoffe nicht, dass er an Rücktritt denkt, wenn er auch noch Cesar eingeholt hat."

Borisow-Coach Wiktor Gontscharenko zog vor Messi und dem tollen Rest von Barca den symbolischen Hut. "Wir durften aus der ersten Reihe sehen, wie man den Ball behandelt. Danke." Messi, das zeichnet ihn aus, blieb traditionell bescheiden. "Es wäre schön, wenn ich den Vereinsrekord einstellen könnte, aber ich habe damit keine Eile. Für mich hat es immer Vorrang, der Mannschaft zu helfen." Für Guardiola ist es kein Frage der Eile. "Er wird den Trefferrekord brechen, es sei denn, er verlässt Barcelona. Jetzt hat er mit einem Fußballer gleichgezogen, der den Verein zum Bau des Camp-Nou-Stadions gezwungen hat." Kubala hatte in den 1950er-Jahren in Barcelona eine derartige Euphorie entfacht, dass das Les-Corts-Stadion zu klein wurde und der Club sich zum Bau einer neuen Arena entschloss. Kubala benötigte für seine Marke elf Jahre, Messi nur sieben. Guardiola: "Es gibt noch keine aktuellen Abrisspläne für das Camp-Nou."

Berlusconi sammelt

Auch das Meazza-Stadion in Mailand steht fest, der AC teilt es mit Inter. Der AC Milan ist fast so gut wie Barcelona, die beiden werden aus der Gruppe H aufsteigen. Viktoria Pilsen wurde 2:0 geschlagen. Das erste Tor machte der Schwede Zlatan Ibrahimovic, das zweite durch Antonio Cassano hatte eine historische Dimension. Es war das 2000. in einer Pflichtpartie seit Februar 1986. Damals hatte in Italien Premierminister Silvio Berlusconi die Rossoneri übernommen. In diese Ära fallen 28 Titel, zum Beispiel achtmal die Meisterschaft und fünfmal der Meistercup beziehungsweise die Champions League.

Und was macht eigentlich Franz Beckenbauer? Er sagte, dass Bayern München dem Niveau von Barcelona maximal nahekomme. "Nicht nur wegen Messi." Am Dienstag war der Kaiser in München (2:0 gegen Manchester City), am Mittwoch weilte er in Marseille, um den amtierenden deutschen Meister Borussia Dortmund gegen Olympique mit 0:3 untergehen zu sehen. "Es war ein richtiger Scheißabend, eine der sinnlosesten Niederlagen", sagte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. Der neben ihm stehende Beckenbauer nickte. Klopp: "Wir müssen uns alle Schuhe anziehen, die es anzuziehen gibt, und uns der Kritik stellen." Beckenbauer: "Was der BVB in dieser Saison schon verballert hat, geht nicht auf die berühmte Kuhhaut. Die müssen jetzt üben, wie man vorne Tore schießt und hinten keine bekommt." Auch das hatte eine nahezu historische Dimension. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 30. September 2011, red, APA)