Müllendorf - Dass Windräder die Landschaft nicht unbedingt schmücken, gibt Klaus Mezgolits gerne zu. Allerdings ist er, was das Finanzpolitische betrifft, Pragmatiker. Und deshalb sagt er: "Das Geld nehm' ich natürlich gerne."

Klaus Mezgolits ist SP-Bürgermeister im nordburgenländischen Steinbrunn (Stikabron), und vergangene Woche beschloss sein Gemeindevorstand, das Projekt eines Windparks in der sogenannten "Eisenstädter Pforte" dem Gemeinderat zur Beschlussfassung ans Herz zu legen.

Nachbarn laufen Sturm

Die Nachbarn in Müllendorf laufen dagegen Sturm. Eine Bürgerinitiative will das ganze Projekt - neun 140-Meter-Mühlen auf dem Gemeindegebiet von Steinbrunn, Müllendorf und Hornstein (Voristan) - verhindern. In Müllendorf, wo vier Räder geplant waren, sei das schon gelungen. Bei den Nachbarn in Hornstein sind Wolfgang Pelikan und seine Mitstreiter zuversichtlich. Aber da gibt es dann eben auch den Klaus Mezgolits, der als Landtagsabgeordneter, als Bezirkshauptmann von Mattersburg und eben Bürgermeister von Steinbrunn mit allen Wassern der Verwaltungsjuristerei gewaschen ist.

Bis vergangenen Freitag seien "fast 100 Einwendungen gegen das Projekt eingelangt", mehr als 90 aus Müllendorf, aus Steinbrunn keine einzige. Aber, so Mezgolits, "wir werden jetzt noch einmal mit den Stellen im Land sprechen, bevor wir da eine Umwidmung vornehmen".

Wolfgang Pelikan, ein pensionierter, für Landschaftsschutz zuständig gewesener Landesbeamter, ist sich sicher, das Projekt trotz seiner Lage in einer ausgewiesenen "Eignungszone" mit dem Argument des Landschaftsschutzes stoppen zu können. "Die Einreichung beruft sich auf den Landes-Entwicklungsplan", der eine ökologische Stromautarkie vorsehe. "Aber die hat man schon erreicht." Mezgolits erwidert, dass es "nix Ehrenrühriges" sei, über den eigenen Bedarf zu produzieren. "Die Russen haben auch mehr Gas, als sie brauchen. Und gut ist es, sonst hätten ja wir keines." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe, 30.9.2011)