Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: Reuters/APA

Wien – Vor zwei Wochen gingen die ÖFB-Klubs zum Auftakt der Europa League leer aus, nun sieht die Zwischenbilanz nach drei Siegen am zweiten Spieltag doch recht erfreulich aus. Mit den Erfolgen am Donnerstagabend haben sich Österreichs Clubs näher an einen zusätzlichen europäischen Startplatz herangearbeitet. In der UEFA-Fünfjahreswertung nehmen die ÖFB-Vertreter derzeit den 14. Rang ein. Dank den Siegen von Austria Wien, Sturm Graz und Salzburg überholte Österreich dabei die Schweiz.

Als 14. hält Österreich aktuell bei 24,075 Zählern. Die Schweiz hat 23,800 zu Buche stehen, mit dem FC Basel (Champions League) und dem FC Zürich (Europa League) aber nur noch zwei Vertreter im Rennen. Zypern (zwei Clubs) folgt mit 21,749 Punkten auf Platz 16. Ab der Saison 2013/14 sind fünf statt bisher vier ÖFB-Vertreter in internationalen Bewerben somit in Reichweite. Dazu müsste bis Saisonende der 14. oder 15. Rang gehalten werden. Das zusätzliche Ticket würde einen zweiten Startplatz in der Champions-League-Qualifikation bedeuten, in der Europa-League-Qualifikation wären wie bisher drei Clubs vertreten.

Der Traum vom CL-Fixplatz

Zumindest ein bisschen darf Österreich sogar mit einem Fix-Platz in der Champions League 2013/14 spekulieren. Dazu müsste Österreich die laufende Europacup-Saison als 13. abschließen und sich der Champions-League-Titelverteidiger über die nationale Meisterschaft qualifizieren. Dänemark liegt als 13. derzeit jedoch ganze 2,850 Punkte vor Österreich. Die Skandinavier haben mit dem FC Kopenhagen und Odense BK (beide Europa League) noch zwei Vereine im Rennen.

Ein Sieg in einer europäischen Gruppenphase bringt zwei Zähler, ein Remis einen Punkt. In der Qualifikation sind diese Erfolge die Hälfte wert. Dividiert wird die Ausbeute durch die Anzahl der jeweiligen internationalen Teilnehmer eines Landes, im Falle von Österreich lautet der Divisor daher vier. In der aktuellen Europacup-Saison brachten es die heimischen Clubs bisher auf 4,875 Zähler. 2010/11 waren es insgesamt 4,375, 2009/10 hauptsächlich bedingt durch sechs Salzburger Siege in der Gruppenphase der Europa League gar 9,375.

Austria "kämpferisch absolut top"

Mit dem 2:1-Auswärtserfolg gegen Malmö FF hat die Austria am Donnerstagabend ihren größten Erfolg auf internationaler Ebene seit dem Abgang von Milliardär Frank Stronach (2008) gefeiert. "Wir haben das Glück strapaziert, aber auch großen Charakter gezeigt", freute sich Austria-Trainer Karl Daxbacher. Zumindest einmal drei Punkte haben die Wiener auf dem Heimflug in der Nacht auf Freitag mit nach Hause genommen. Und mit dem ersten Sieg in der Gruppenphase seit dem 2:1 in Utrecht am 16. Dezember 2004 ist die Austria auch wieder auf Tuchfühlung mit Metalist Charkiw und AZ Alkmaar, die sich 1:1 getrennt haben.

Aber Daxbacher, der ein Extralob an die Innenverteidiger Manuel Ortlechner und Georg Margreitter aussprach, hält den Ball flach. "An der Ausgangsposition hat sich nichts geändert, Charkiw und Alkmaar bleiben die klaren Favoriten auf den Aufstieg." In Runde drei gastieren die Austrianer am 20. Oktober in den Niederlanden bei Alkmaar. Für Daxbacher und Austrias Sport-Vorstand Thomas Parits war es auch eine späte Revanche. Schließlich ist das Duo vor 32 Jahren mit der Austria im Meistercup-Halbfinale knapp an Malmö gescheitert.

Absurde Gelb-Rote für Alexander Grünwald

"Aber das Spiel am Donnerstag war um einiges spektakulärer als jenes 1979. Es gab viel mehr Torchancen, und Zeitlupenfußball wie damals wurde auch nicht gespielt", sagte Daxbacher. Vom aktuellen Austria-Kader war damals nur Peter Hlinka (5. Dezember 1978) bereits geboren. Parits jubelte ebenfalls über den wichtigen Erfolg: "Am Ende ist es noch brenzlig geworden. Aber das war mannschaftlich und kämpferisch absolut top."

Der kuriose Höhepunkt der turbulenten Schlussphase war die Gelb-Rote Karte für Alexander Grünwald. Der defensive Mittelfeldspieler sah bei der Auswechslung in der 90. Minute seine zweite Gelbe. Schiedsrichter Pawel Gil war aber zunächst nicht im Bilde. Erst mit Verzögerung erkannte der Pole, dass Grünwald bereits zuvor Gelb gesehen hatte. Daraufhin schickte Gil Grünwald die Rote Richtung Kabine nach und der verdutzte Emir Dilaver musste nur Sekunden nach seiner Einwechslung wieder vom Feld. "Der Ausschluss war doppelt ungerecht", befand Grünwald. "Bei der ersten Gelben hab nicht ich, sondern Peter Hlinka gefoult. Und die zweite war nie und nimmer Zeitverzögerung."

Salzburg reichen 45 gute Minuten

Zeit zum Feiern blieb der Austria keine. Allerdings galt dies auch für den Sonntag-Gegne (16 Uhr), der Red Bull heißt und am Donnerstag in der Europa League ebenfalls erfolgreich im Einsatz war. 45 Minuten haben Salzburgs Fußballer gebraucht, um Gegner Slovan Bratislava in den Griff zu bekommen. In der ersten Hälfte noch enttäuschend, entfalteten die Gastgeber nach der Pause ihr Spiel, schickten die Slowaken mit einer verdienten 3:0-Packung nach Hause. Auffällig agierte dabei der Brasilianer Leonardo, der die "Bullen" nicht nur mit 1:0 in Führung brachte, sondern auch das 2:0 durch Gonzalo Zarate mit einer technischen Finesse einleitete.

"Leo wurde in den Niederlanden falsch eingeschätzt. Bei mir darf er seine individuelle Klasse zeigen", erklärte Trainer Ricardo Moniz, der den 28-Jährigen im Sommer von NAC Breda geholt hatte. Moniz postierte den Feinmechaniker in der ersten Hälfte in der zentralen Offensive, ließ ihn nach dem Seitenwechsel aber auf die Seite wechseln, wodurch der Flügelstürmer besser zur Entfaltung kam.

Nervosität und Ballverluste

Moniz war nach dem ersten Sieg in der Gruppenphase mit seinem Team grundsätzlich zufrieden. "Es war ein international sehr gutes Spiel mit hohem Tempo, ich wusste, was in meiner Mannschaft steckt. Es hat aber 60 Minuten gedauert, bis wir die absolute Kontrolle hatten", erklärte der Niederländer und zeigte sich zuversichtlich für die kommenden Partien nicht nur gegen die Austria, sondern auch das Auswärtsspiel am 20. Oktober bei Athletic Bilbao.

"In der ersten Hälfte waren wir zu nervös und hatten zu viele Ballverluste. Nach der Pause war das Passspiel genauer und schneller, es war ein in dieser Höhe verdienter Sieg", meinte Gustafsson, und Slovan-Trainer Vladimir Weiss, zugleich Coach des slowakischen Nationalteams, brachte das Geschehen am Rasen auf den Punkt. "In der ersten Hälfte konnten wir die Partie noch offen gestalten, in der zweiten Hälfte hatten wir dann nicht die individuelle Klasse der Salzburger."

Mit Haas ist immer zu rechnen

Bei Sturm Graz hat Rekordtorschütze wieder einmal bewiesen, dass mit ihm immer noch zu rechnen ist. Dank seines Siegestores beim Auswärts-2:1 gegen AEK Athen im zweiten Spiel der Gruppe L befinden sich die Grazer voll im Rennen um die beiden Aufstiegsplätze. Coach Franco Foda hatte mit der Einwechslung von Haas als drittem Stürmer in der 73. Minute alles richtig gemacht. Der 37-Jährige sorgte in der 92. Minute mit einem platzierten Schuss ins Eck für die Entscheidung. "Ich bin froh, dass es endlich wieder geklappt hat, es war ein ganz wichtiges Tor für die Mannschaft und mich persönlich", sagte Haas.

Sein letztes Pflichtspieltor hatte der Routinier am 6. August beim 4:0-Sieg gegen die Grödig Amateure im ÖFB-Cup erzielt, auf höherer Ebene beim 1:0-Heimsieg gegen Wiener Neustadt am 12. März in der 25. Bundesliga-Runde der vergangenen Saison. Deshalb freute auch Foda der Torerfolg seines Edeljokers nach zuletzt vielen vergebenen Chancen besonders. "Wenn er ins Spiel kommt kann er immer noch entscheidende Aktionen machen, einem Spiel die Wende geben", betonte Sturms Trainer. Mit drei Punkten aus zwei Spielen stehen die Grazer besser da als 2009, wo sie erst einen Zähler auf dem Konto hatten. "So lebt die Chance auf das kleine Wunder Aufstieg", sagte Thomas Burgstaller, der fünf Minuten vor dem 2:1 ebenfalls nach Vorarbeit von Imre Szabics ausgeglichen hatte.

Bleibt der Trainer?

Sturms nächster Gegner Anderlecht hält beim Punktemaximum von sechs Zählern, hinter Lok Moskau und den Grazern (je 3) liegt Athen punktelos am Tabellenende. "Wir haben vorher gesagt, dass wir etwas mitnehmen müssen. Dass es gleich drei Punkte geworden sind, ist toll. In der Tabelle ist in beide Richtungen noch alles möglich", analysierte Foda. In allzu große Euphorie verfiel im Lager der Steirer aber niemand, zu schwach war die Darbietung vor der Pause, wo man mehrmals einem Rückstand sehr nahe war. "In der ersten Hälfte war Athen die bessere Mannschaft, vor allem in den ersten 15 Minuten haben wir viel Glück gehabt. Deshalb müssen wir auch die Kirche im Dorf lassen", wusste Foda. Seine Unzufriedenheit über das schwache Defensivverhalten bekam vor allem Wolf zu spüren, der kurz vor der Pause ausgetauscht wurde. "Wir konnten das Offensivspiel des Gegners nicht unterbinden und haben Angsthasenfußball gespielt", bekannte Joachim Standfest.

Athen-Trainer Manolo Jimenez steht nach der zweiten Pflichtspiel-Pleite in Folge schon stark unter Druck. Übel genommen wurde ihm auch, dass er den spielstarken Leonardo aus taktischen Gründen vorzeitig vom Feld genommen hatte. "Die Hoffnung bleibt bestehen, wir werden nicht aufgeben", versprühte der Spanier aber Zweckoptimismus. Wie bei den Athener könnte es auch bei den Grazern schon bald Neuigkeiten in der Trainerfrage geben. Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber kündigte solche für Samstag an. Von ÖFB-Teamchef-Kandidat Foda selbst, der auch beim deutschen Zweitligisten Karlsruhe ein Thema sein soll, gab es jedenfalls nichts Neues zu hören.(APA)