Als Alice Schwarzer Mitte der 1970er Jahre gegen Machos und weibliche Unterdrückung ins Feld zog, hatte der Boulevard eine Lieblingsfeindin gefunden und kübelte Geifer über sie. Das Sinnbild einer "bösen Hexe" sei sie, zudem "hässlich wie eine Nachteule" wurde da geschrieben. Gegen das Klischee der "Kampfemanze" schreibt sie in ihrer eben erschienenen Autobiografie an. "Lebenslauf", so der lakonische Titel. 

Hatte sich Schwarzer ab den 1990er Jahren zur Wonderwoman gewandelt, zum Popstar des Feminismus, bekommt sie in letzter Zeit Breitseite von einer jüngeren Feministinnen-Generation. Charlotte Roche beschreibt Alice Schwarzer in ihrem Roman "Schoßgebete" als lustfeindliches Über-Ich, das ihr den kleinen dreckigen Spaß im Ehebett verdrieße. Prompt wurde Roche von der "Emma"-Chefin mit einem offenen Brief abgestraft. Schwarzers Wortmeldungen zur Kopftuchdebatte, ihre Berichterstattung über den Kachelmann-Prozess in der "Bild" und ihr Schlagabtausch mit der deutschen Frauenministerin brachten ihr massive öffentliche Kritik ein. Martin Traxl spricht mit ihr im "Kulturmontag"-Studio. (red)