ModeratorIn: Wir begrüßen Claudia Schmied im Chat und bitten die UserInnen um Fragen.

Claudia Schmied: Herzlich willkommen. Ich freue mich auf Ihre Fragen.

ModeratorIn: sie haben bei einer pressekonferenz heute vormittag angekündigt, die pädagogischen hochschulen in ihrem charakter stärken zu wollen. warum ist das notwendig?

Claudia Schmied: Weil die Ausbildung der LehrerInnen sehr wichtig ist. Ich will, dass die Pädagogischen Hochschulen auf Augenhöhe mit den Universitäten kooperieren können und in Zukunft auch Masterstudien in öffentlich-rechtlichem Auftrag anbieten können.

ModeratorIn: bedeutet das, die komplette lehrer-ausbildung soll künftig nur noch auf den phs stattfinden und nicht mehr auf den unis?

Claudia Schmied: Nein. Das wird je nach Standort unterschiedlich sein. Es geht mir darum, für die Studierenden ein ausgezeichnetes Angebot zu haben. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass die LehrerInnen eine universitäre Heimat haben. D. h. auf jeden Fall Pädagogische Hochschulen und standortspezifisch eine Kooperation mit Universitäten, Fachhochschulen oder anderen Pädagogischen Hochschulen.

Philipp Valenta: Wie gedenken Sie, die LehrerInnen zu ersetzen, die in den nächsten Jahren in Pension gehen? Schließlich gehen in den kommenden Jahren eine Menge LehrerInnen in Pension!

Claudia Schmied: Der Lehrberuf hat Zukunft. Die Zahl der StudienanfängerInnen hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Wir bieten Studienangebote für QuereinsteigerInnen. So werden wir die zukünftigen Herausforderungen gut meistern. Zusätzlich soll es ein neues Dienst- und Besoldungsrecht geben, das für junge LehrerInnen attraktiv ist.

iano mai: Sehr geehrte Frau Minister, als Vater von zwei Kindern bin ich entgeistert dass heute immer noch ein Schulsystem dass dem 19 Jhd. entstammt von der ÖVP vehement verteidigt wird und alle Erkentnisse der letzten 100 Jahre schlicht unter den Teppich ke

Claudia Schmied: Wir sind auf dem Weg. Seit 2007 haben wir vom Kindergarten bis zur Matura Neu, den kleineren Klassen bis zu den Bildungsstandards, der Neuen Mittelschule bis zu den Ganztagsschulen schon viel verändert. Die nächsten Schritte werden folgen. Ich bin sehr froh, mit Abg. Werner Amon, Bildungssprecher der ÖVP einen konstruktiven Partner gefunden zu haben. Aktuell arbeiten wir an der Reform der Oberstufe und der österreichweiten Umsetzung der Neuen Mittelschule.

aha102: Welche Pläne gibt es um die Anzahl von LehrerInnen mit Migrationshintergrund zu erhöhen? Diese LehrerInnen könnten eine sehr wichtige Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben.

Claudia Schmied: Das ist ein sehr richtiger und wichtiger Gedanke. Die Pädagogischen Hochschulen, z.B. in Wien, haben hier spezielle Programme entwickelt. Ich werde nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, wie wichtig Lehrende mit Migrationshintergrund sind, was ich hiermit auch in diesem derStandard.at-Chat tue.

Chris-08: Unsere HTL-Klasse wurde heuer aufgteilt und mit den zwei anderen 5ten Klassen zusammengelegt. Wir sind 30 Leute in der Maturaklasse, obwohl doch 25 Schüler das Maximum sind.

Claudia Schmied: Das gesetzliche Maximum für HTL-Klassen ist 36 SchülerInnen. Über Klassenteilungen in einzelnen Fächern kann zumindest punktuell individueller unterrichtet werden. Im Hinblick auf Betreuungsverhältnisse an den Unis sind es immer noch "Traumzahlen". Wir arbeiten weiter an einem verbesserten LehrerInneneinsatz. Aktuell kann ich Ihnen hier allerdings nicht helfen.

schwarzkrähe: Bezüglich der Masterstudien. Was wird der Anreiz für B.ed. sein, diese (aufbauenden) Masterstudien zu inskribieren? Höhere Gehaltschemata, Möglichkeit des "upgrades" zum AHS-Lehrer? Oder baut man auf Fortbildungswilligkeit der Lehrkörper?

Claudia Schmied: In Zukunft soll die Bezahlung nach Funktion erfolgen. Mein Wunsch ist es z.B., dass Direktoren bzw. Direktorinnen einen Managementmaster vorweisen können. Für die Funktion der BegleitlehrerInnen braucht es eine Mentoringausbildung.... Darüber hinaus ist Fortbildung heute in allen Berufsfeldern notwendig. Entsprechende Abschlüsse und Zertifizierungen sind dann deutliche Belege.

ModeratorIn: Die Masterstudien an den PHs sollen einen öffentlich-rechtlichen Auftrag erhalten. Wird es schwierig sein, die Gesetzesänderung durchzusetzen?

Claudia Schmied: Wir starten in jedem Fall mit akademischen Lehrgängen. Wir dürfen in der Bildung keine Zeit verlieren. Ich bin zuversichtlich auch den Schritt der Gesetzesänderung mit dem Regierungspartner zu setzen.

denkender Mensch: Soll den vermehrten sozialen Problemen an Schulen in irgendeiner Form begegnet werden? Und wenn ja - wie? Ist ein Ausbau der Schulsozialarbeit geplant?

Claudia Schmied: Ja. Aber es braucht umfassende Maßnahmen, wie z.B. Verhaltensvereinbarungen an den Schulen, verpflichtende Eltern-Schüler-Lehrer-Gespräche, Ausbildung der LehrerInnen, Achten auf das Einhalten der Schulpflicht, gezielte Fortbildungsmaßnahmen an den Standorten, Kooperation mit Sozialeinrichtungen,...

Topiary: In Skandinavien kommen auf einen offenen Lehrerposten 10 Bewerber. In Ö. wird händeringend nach Lehrern gesucht. Was läuft falsch?

Claudia Schmied: In Skandinavien ist der Lehrberuf ein hoch geschätzter und hoch angesehener Beruf. Gerade heute am Welttag der LehrerInnen rufe ich dazu auf, den LehrerInnen Wertschätzung entgegen zu bringen. Es ist wichtig, sie in ihrer Funktion zu stärken. Seitens der Politik braucht es ein neues, zeitgemäßes Dienst- und Besoldungsrecht und eine neue Ausbildung, die keine Sackgasse ist, sondern immer wieder neue Türen öffnet.

ModeratorIn: Userfrage per E-Mail: Sehr geehrte Frau Ministerin, die Frage, die mich und viele meiner KollegInnen besonders brennend interessiert ist, wie Sie persönlich die Zukunft der AHS sehen: Ist sie in der Unterstufe noch tragbar?; ist die AHS-Oberstufe n

Claudia Schmied: Mein Ziel ist die gemeinsame Schule der 10 bis 14-Jährigen. Diesem Ziel kommen wir mit der Neuen Mittelschule sehr nahe, dennoch wird die AHS Unterstufe bestehen bleiben, wenn die Standorte das wollen. Die AHS Oberstufe wird es auf alle Fälle weiter geben. Wichtige Projekte, wie kleinere Klassen, verpflichtende Deutschförderung und Bildungsstandards werden selbstverständlich auch an der AHS Unterstufe umgesetzt.

Topiary: Woran liegt es ihrer Meinung nach, dass sowohl Eltern, Lehrer als auch Schüler so häufig mit dem Bildungs- und Schulssystem unzufrieden sind?

Claudia Schmied: Weil es in der Tat verbesserungsfähig ist. Viele Maßnahmen sind schon umgesetzt oder in Umsetzung, so dass die Zahl der Zufriedenen hoffentlich ständig steigt. Schule muss unser gemeinsames Anliegen sein. Ich habe gestern im Wirtschaftsrat mit Vertretern der Wirtschaft z.B. auch über Kooperationsmodelle Unternehmen-Schule diskutiert. Bei der Berufsberatung werden wir noch viel stärker zusammenarbeiten. Ein Schwerpunkt und Lieblingsprojekt von mir sind Partnerschaften von Kulturinstitutionen und Schulen. Wir müssen alles daran setzen, dass Schule den Schulpartnern auch Freude macht. Motivation, gutes Schulklima und erstklassige Leistungen gehen Hand in Hand. Wir brauchen den gesellschaftlichen Schulterschluss für Bildung, dann werden wir erfolgreich sein.

60878ea8-18b7-4189-a8c4-53c877583ff7: Das Internet und die damit einhergehenden Veränderungen für unsere Gesellschaft sind unübersehbar und gravierend. Wann wird dem endlich im Unterricht Rechnung getragen? Der aktuelle Informatik-Unterricht ist mehr als nur lächerlich. Dinge wie Datens

Claudia Schmied: In den ersten Punkt Ihrer Frage investieren wir. Als Beispiel bringe ich die neuen HTL-Lehrpläne. Was Kritikfähigkeit betrifft verweise ich sehr gerne auf den Psychoanalytiker Arno Gruen. Basis für Kritikfähigkeit ist eine gut entwickelte eigene Persönlichkeit. Persönliche Identität und Ich-Stärke. Entscheidend sind hier bereits die Entwicklungen in der Familie. Den LehrerInnen kommt hier die wichtige Funktion der weiteren Bezugsperson zu. Neben dem Fachwissen gilt es also auch Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Der Ebenenwechsel, z.B. über Theaterpädagogik, kann hier sehr hilfreich sein. Mir ist es seinerzeit an der Wirtschaftsuniversität Wien gelungen, mit dem Seminar "Die Rolle der Wirtschaft in der Literatur" heftige Debatten und Diskussionen zu unterschiedlichen Themen anzuregen.

1b02bdb7-65cd-4b7d-bebc-69b5bc9c8f8d: Wären Sie für einen "Kuhhandel" mit der ÖVP zu haben? Gesamtschule gegen Studiengebühren?

Claudia Schmied: Nein.

ModeratorIn: Userfrage per E-Mail: Warum gibt es zwischen Neuer Mittelschule und AHS-Unterstufe nicht annähernd eine Ressourcengerechtigkeit. Warum wird die AHS eklatant benachteiligt? (Fritz Polzhofer, Hartberg)

Claudia Schmied: Die AHS wird nicht benachteiligt. Es gibt 6,7 Werteinheiten mehr, wenn sich der AHS Standort dem Modell Neue Mittelschule anschließt und den Zugang in die AHS für alle Kinder öffnet.

aha102: Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der Modularen Oberstufe? Besteht in dieser Schulform tatsächlich die Gefahr, dass auch sogenannte "faule" SchülerInnen bis zur Matura kommen, da es kein Durchfallen gibt?

Claudia Schmied: Der Vorteil ist ein Kurssystem, vergleichbar mit dem Universitätsbetrieb. Die von Ihnen geschilderte Gefahr gibt es nicht, weil vor der Matura alle Kurse/Fächer positiv abgeschlossen werden müssen.

Mooreel: wie oft treffen sie sich mit der schülervertretung?

Claudia Schmied: Zuletzt waren die SchülervertreterInnen vor ca. 14 Tagen, unmittelbar nach ihrer Wahl, bei mir. Wir werden uns in diesem Jahr noch zweimal in Wien treffen. Darüber hinaus gibt es immer wieder Einladungen zu Dialoggesprächen in den Bundesländern. Im ersten Halbjahr waren dies Dialoggespräche in allen Bundesländern zu den brennenden Themen Bildungsstandards und Matura Neu.

Ägidius: Glauben sie, dass unter der "Gewerkschaft Neugebauers" überhaupt sinnvolle Reformen durchsetzbar sind, was vor allem das Lehrerdienstrecht betrifft? Wirft man ihnen nicht ständig Prügel vor die Füße, um ja keinen politischen Erfolg verbuchen zu könn

Claudia Schmied: Schritt für Schritt und unbeirrbar komme ich voran. Entscheidend ist die Zusammenarbeit vor allem auch mit den LandesschulratspräsidentInnen, Schulpartnern und Bildungssprechern. Das neue Dienst- und Besoldungsrecht ist ein Projekt der gesamten Regierung, darauf lege ich Wert.

Briefträger: Kann sich ein so kleines Land wie Österreich wirklich 9 verschiedene Schulgesetze und Landesschulräte sowie etliche Bezirksschulräte wirklich leisten?

Claudia Schmied: Die Bündelung aller Kompetenzen auf Bundesebene ist derzeit unrealistisch. Es gilt daher den Status quo zu optimieren und darauf zu achten, dass von der Neuen Mittelschule bis zur Ganztagsschule österreichweit einheitliche Qualitätsstandards gelten.

kaljakoppa: Sehr geehrte Frau Minister, als Lehramtsstudent interessiert mich ihre Zusammenarbeit mit Herrn Minister Töchterle: Inwiefern gibt es hier Gespräche bezüglich der LehrerInnenbildung und den meiner Meinung nach eklatant kaum vorhandenen Praxiserfahru

Claudia Schmied: Es finden regelmäßig Gespräche mit Minister Töchterle statt. Auch gibt es klare Empfehlungen der Expertengruppe, den Praxisanteil bei Lehramtsstudien zu erhöhen und besonders auf Fachdidaktik und Pädagogik zu achten. In meinem Verantwortungsbereich, den Pädagogischen Hochschulen, haben wir die Weichen gestellt. Ich hoffe sehr, dass es zu Kooperationen mit den Universitäten kommt und auf diese Weise auch die schulpraktischen Erfahrungen der Pädagogischen Hochschulen in alle Lehramtsstudien einfließen. Ich orte bei allen Beteiligten guten Willen und Aufbruchstimmung. Das Lehramtsstudium ist nun auch an den Universitäten in einen beachteten Blickpunkt gerückt.

black_pixie: Ich unterrichte eine Deutschklasse (Gymnasium) mit 30 Kindern (29 davon haben Migrationshintergrund), die Klasse wurde in Deutsch nicht geteilt, während in sämtlichen anderen Sprachfächern geteilt wurde. Für fast alle Kinder ist Deutsch eine Zweitsp

Claudia Schmied: An sich sollte die Maßnahme "Sprachförderung" in Ihrem Fall zum Einsatz kommen. Ich ersuche Sie, sich mit der Schulaufsicht direkt in Verbindung zu setzen. Halten Sie mich über das Ergebnis bitte informiert.

Gustl Oberhuber: Sehr geehrte Frau Ministerin Schmied. Ich bin Lehramtsstudent der zuerst sein Fach normal studiert hat. Ich habe folgende Anregung. : Meiner Meinung nach wird es Praktikern aus einem Fachgebiet oder "normalen" Uniabsolventen stark erschwert einen Le

Claudia Schmied: Ja! Das wird möglich sein. Wir starten mit Pilotprojekten im Studienjahr 2012/13. Es gibt schon erste Projekte in diese Richtung (Bachelorabschluss) an den PHs in NÖ und in OÖ. Eventuell fragen Sie dort direkt nach. Vielleicht können Sie gleich beginnen.

Nicator: Was bedeutet für Sie Schule in 3 Worte?

Claudia Schmied: Freude, Leistung, Partnerschaft.

mahlzeit1: seit mehreren jahren predigen sie "mehr autonomie an die schule", wann kommt die wirkliche autonomie. der direktorInn sucht sich seine lehrerInnen aus?

Claudia Schmied: Im Frühjahr wurde das Gesetz "Schulleiterprofil" beschlossen. Im Zuge des neuen Dienst- und Besoldungsrechtes werden die Aufgaben der DirektorInnen klar geregelt. Die Mitsprache bei der Personalauswahl ist die Voraussetzung, auch in die Personalverantwortung zu gehen. Ich freue mich sehr, dass beispielsweise die OÖ Landesrätin Hummer dies auch so sieht.

Dreistein: Von allen Ministern leiden Sie am meisten unter der Blockadepolitik der ÖVP. Wäre es da nicht schön langsam an der Zeit, Mehrheiten im Parlament zu suchen und diese möglicherweise rascher zu finden als das derzeit möglich ist?

Claudia Schmied: Es gibt das Regierungsprogramm und das setzen wir Schritt für Schritt um. Das ist die Realität. Ich gehe unbeirrbar meinen Weg und freue mich über jede Unterstützung.

ModeratorIn: Die Zeit ist um, wir danken den UserInnen für die vielen Fragen. Frau Ministerin, danke fürs Kommen.

Claudia Schmied: Vielen Dank für die Einladung und Ihre wertschätzenden Fragen und Anregungen. Arbeiten wir gemeinsam für Bildung in Österreich!