Wiener Neustadt - Wegen des Schmuggels von 40.156 Stangen Zigaretten, das sind exakt 8.031.200 Glimmstängel, musste sich am Dienstag ein Mann (44) vor einem Schöffensenat am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten. Mit ihm saßen drei weitere Männer auf der Anklagebank. Alle wurden am Dienstagnachmittag - nicht rechtskräftig - verurteilt: Die vier Männer fassten wegen Abgaben- und Monopolhinterziehung Geldstrafen zwischen 60.000 und 470.000 Euro aus.

Außerdem wurden sie zu Wertersatzstrafen in der Höhe zwischen 69.000 Euro und einer Million Euro verurteilt. Da bei den Verurteilten allerdings kein Geld zu holen ist, sprach der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Hans Barwitzius Ersatzfreiheitsstrafen zwischen einem und fünf Monaten unbedingter Haft aus. Ein Angeklagter wurde im Zweifel freigesprochen.

Illegaler Handel

Der Hauptangeklagte hatte 2007 den illegalen Handel aufgezogen. Er erwarb am Schwarzmarkt im ehemaligen Jugoslawien oder in Ungarn Zigaretten und verkaufte sie mit einer Gewinnspanne von einem Euro pro Stange weiter. Vor allem die Marken Chesterfield und Memphis ließ der Serbe - von unbekannten Lieferanten - nach Österreich kommen. Der Schmuggel ging sehr professionell über die Bühne: Meist waren die Zigaretten-Lieferanten mit mehreren Autos unterwegs, aber nur in einem befand sich die illegal eingeschleuste Ware. So wollte man Zollbeamte täuschen.

Einmal wurden die Rauchwaren in einem Transporter - unter Ziegelsteinen versteckt - über den Grenzübergang Spielfeld ins Land gebracht und in einem Firmengelände in Wiener Neudorf in eigens bereitgestellte "Bunkerautos" umgeladen. Damit fuhr man weiter in eine Tiefgarage, wo man das Schmuggelgut wieder in andere Pkw verfrachtete. Die ließ man unversperrt stehen, die Abnehmer konnten sich bedienen. So sollte sich die Spur des von langer Hand aufgezogenen Zigaretten-Schmuggels verlieren. Doch slowenische Zollbeamte bekamen doch Wind von den illegalen Fuhren. Sie informierten die österreichischen Behörden. Nach monatelangen Observationen wurde die Bande (Verteidiger: Alexander Philipp, Philipp Winkler) heuer im Frühjahr festgenommen. (APA)