Stockholm - Kurz vor der Entscheidung über den diesjährigen Literaturnobelpreis ist Bob Dylan (70) plötzlich in den Favoritenkreis aufgerückt. Der amerikanische Rockpoet stand am Dienstag, zwei Tage vor der Bekanntgabe der Entscheidung durch die Schwedische Akademie, auf dem vierten Platz der Einsatzlisten beim britischen Wettanbieter Ladbrokes. Dylan gilt seit mehreren Jahren als Außenseiter, dessen Chancen aber letztlich gering eingeschätzt werden, weil er literarisch vornehmlich mit Songtexten in Erscheinung getreten ist. 

Vor Dylan lagen auf der Wettliste der libanesisch-syrische Lyriker Adonis (81), dessen schwedischer Poeten-Kollege Tomas Tranströmer (80 - der den Nobelpreis dann auch erhielt, Anm.) und der japanische Romancier Haruki Murakami (62). Die Ladbrokes-Wettlisten haben in den letzten Jahren mehrfach, aber auch nicht immer, die späteren Preisträger vorn gesehen. Bei den Preisträgern Orhan Pamuk aus der Türkei (59) im Jahr 2006 und dem Franzosen Jean-Marie Le Clezio (71) zwei Jahre später stiegen die Wetteinsätze kurz vor der jeweiligen Bekanntgabe drastisch an.

Deutschsprachige Autoren liegen auf der diesjährigen Favoritenliste der Zocker nur unter "ferner liefen": Für einen Literaturnobelpreis an Christa Wolf (82) würde es das Vierzigfache des Einsatzes geben und für Peter Handke das Sechsundsechzigfache. Vor zwei Jahren ging der begehrteste Literaturpreis der Welt an die in Rumänien geborene und in Berlin lebende Herta Müller (58), vor sieben Jahren an Elfriede Jelinek. (APA)