Wien - Am Mittwoch wurde die amaZone 2011 an drei Unternehmen verliehen, die sich in der Lehrausbildung von Mädchen und jungen Frauen in nicht-traditionellen Berufen hervorragend engagieren. Der amaZone-Award ist eine Initiative des Vereins Sprungbrett für Mädchen und wird von Frauenstadträtin Sandra Frauenberger verliehen. An der feierlichen Vergabe nahm auch Frauenministerin Heinisch-Hosek teil.

32 Betriebe im Wettbewerb

Zur Bewerbung waren Betriebe aufgefordert, die ein oder mehrere Lehrmädchen in einem handwerklichen und/oder technischen Beruf ausbilden und im Raum Wien und Wien Umkreis angesiedelt sind. 32 Betriebe haben sich heuer dem Wettbewerb gestellt. Eine Jury, bestehend aus  Persönlichkeiten aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Soziapartnerschaft, bewertete die Einreichungen.

Gewinnerinnen

In der 1. Kategorie "Kleine und Mittlere Unternehmen" wurde die Möbeltischlerei Markwitz aus dem 5. Wiener Gemeindebezirk ausgezeichnet. Nur 9,5 Prozent aller TischlerInnenlehrlinge sind Mädchen. Die Firma Markwitz bildet ein Lehrmädchen im zweiten Lehrjahr aus. Johannes Markwitz punktete bei der Jury damit, dass er seit 1974 eine qualitativ hochwertige Lehrausbildung anbietet. "Seine beständige, vorbildliche Haltung zu einem humanistischen Menschenbild, seine klare Haltung bei Übergriffen und sexualisierten Darstellungen sowie die motivierenden Maßnahmen zur Steigerung der Ausbildungsqualität sind hervorragend", heißt es in der Jury-Begründung. Das Lehrmädchen bekommt vom Betrieb Lernunterstützung für die Berufsschule, Prämien bei guten Leistungen und kann sich im vertauensvollen Klima gut entfalten.

In der zweiten Kategorie "Großbetriebe" wurde die Firma "Herold Business Data GmbH" zum Gewinner ernannt. Bei Herold Business Data werden Mädchen zur Medienfachfrau/Marktkommunikation sowie zur Medienfachfrau/Mediendesign ausgebildet. In diesem Unternehmen hat die Jury vor allem "die fundierte, strukturierte Lehrlingsausbildung (Job-Rotation), das breite Angebot an persönlichkeitsbildenden und fachspezifischen Maßnahmen für Lehrlinge, das Mentorinnensystem in der Ausbildung, der vorbildliche Anteil (zwei Drittel) von Frauen in Führungspositionen, die geplante Weitersbeschäftigung der Lehrmädchen sowie die Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung überzeugt".

In der dritten Kategorie "öffentliche und öffentlichkeitsnahe Unternehmen" gewann das Umweltbundesamt. Das Unternehmen bildet Chemielabortechnikerinnen aus. Für die Wahl der Jury waren folgende Punkte ausschlaggebend: Das Umweltbundesamt bietet eine umfassende Unterstützung der weiblichen Lehrlinge in einer qualitativ hochwertigen strukturierten Lehrausbildung, Technikerinnen fungieren als Rolemodels und ein Mentoring-System in technischen Berufen wurde eingeführt. Im anspruchsvollen Lehrberuf der Chemielabortechnikerin werden Mädchen bei geschlechtsneutraler Aufgabenverteilung gefördert und sie erhalten individuelle Lernunterstützung inklusive zielgerichteter Fördermaßnahmen. Ein Rotationssystem im Betrieb mache die Ausbildung besonders hochwertig, heißt es in der Begründung der Expertinnen-Jury.

Frauenpolitik auf Unternehmen angewiesen

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger betonte in ihrer Rede, dass "die Frauenpolitik auf engagierte PartnerInnen in der Wirtschaft angewiesen ist, wenn es um betriebliche Frauenförderung geht." Auch Frauenministerin Heinisch-Hosek bedankte sich bei den Unternehmen: "Mein Dank gilt allen Betrieben, die sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Berufsleben einsetzen." An die Mädchen dieser Stadt appellierte Frauenberger, sich niemals von althergebrachten Rollenbildern bei der Berufswahl und ihrer Lebensgestaltung einschränken zu lassen: "Mädchen und Frauen können alles sein. Bestimmt eure Rollen selbst! Denn Rollenklischees greifen nicht nur viel zu kurz, sondern behindern eure Entfaltung."

Berufswahl entscheidet mit über Einkommensschere

Dass noch viel Bewusstseinsarbeit notwendig ist, zeigen die Zahlen: Auch 2010 erlernten immer noch 48 Prozent der weiblichen Lehrlinge einen der "klassischen" weiblichen Lehrberufe, nämlich Friseurin (10,08 Prozent), Bürokauffrau (12,4 Prozent) oder Einzelhandelskauffrau (24,8 Prozent). Diese Berufswahl ist mitverantwortlich für die spätere Einkommensschere zwischen den Geschlechtern. Stellt man zum Beispiel das Einstiegsgehalt einer Friseurin von 1.145 Euro brutto dem einer KFZ-Elektrikerin von zumindest 1.660 Euro brutto gegenüber, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache zugunsten technischer Berufe. (red)