Graz - Das Land Steiermark will in den nächsten Jahren die Suchtpolitik auf neue Beine stellen: Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder präsentierte am Donnerstag zehn Leitlinien, mit denen bis 2015 erste Ergebnisse erzielt werden sollen. Unter anderem will man sich am tatsächlichen Schadenspotenzial von Sucht-Bilder orientieren und die Zusammenarbeit von mit der Problematik befassten Organisationen besser vernetzen. "Wir müssen akzeptieren, dass es Suchtverhalten in unserem Land gibt, ob uns das gefällt oder nicht", so Edlinger-Ploder.

Es gehe vor allem darum, neben der individuell zugeschnittenen Betreuung für Suchtkranke die Prävention zu verstärken und damit Kinder und Jugendliche fit für das Leben zu machen", so die Landesrätin, die die Publikation zusammen mit dem Verfasser, dem Sozialarbeiter Christoph Pammer und dem Suchtkoordinator des Landes, Klaus Peter Ederer, vorstellte.

Alkohol und Nikotin gefährlich

Zu den Leitlinien gehört die Orientierung am Schadenspotenzial und an der tatsächlichen Problemlast von Substanzen oder Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial, die Unterscheidung soll nicht länger nach legalen oder illegalen Substanzen getroffen werden. Das größte Schadenspotenzial würden Alkohol und Nikotin verursachen. Die Landesrätin meinte dazu, sie wolle nicht einfach verbieten, sondern auf einen verantwortungsbewussten Umgang der Bevölkerung damit hinarbeiten. Schätzungen würden auf auf rund 52.000 alkohol-abhängigkeitserkrankte Steirer hinweisen, bei Medikamenten seien es rund 21.000, bei Glücksspiel rund 3.900, bei Opioiden rund 4.000.

Weiters plane man Prävention durch strukturelle Maßnahmen in allen Politikfeldern, nicht nur in der Gesundheit, denn "Suchtpolitik ist eine ausgesprochene Querschnittsmaterie", sagte die Landesrätin. Im Punkt "differenzierte Zielgruppenorientierung" wird festgehalten, dass der Jugendschutz ein bedeutender Bereich bleibe, jedoch Maßnahmen auf alle Altersgruppen ausgerichtet sein müssten. Inhaltlich ausgeweitet müsse Suchtpolitik auch auf psychoaktive Medikamente oder substanzungebundene Sucht (z. B. Konsummotive). Im Bereich Angebotsteuerung habe sich bei z. B. Bankomatkarten bei Zigarettenautomaten schon viel getan. Jedoch würden sich Jugendliche nicht mehr nur in Geschäften, sondern auch bei Tankstellen mit alkoholischen Getränken einzudecken versuchen. Hier werde sie noch Gespräche führen, kündigte die Landesrätin an.

Suchthilfe soll ausgebaut werden

Mit der Sicherstellung eines differenzierten und integrierten Hilfsangebotes wolle sie auf die Tatsache eingehen, dass es nicht um die gesundheitliche Frage gehe, sondern oft auch um jene des gesamten Umfeldes, wie Job und Wohnen. Vorgesehen ist ferner die Öffnung der medizinischen und psychosozialen Regelversorgung für die Betroffenen. "Das Personal muss zuvor entsprechend geschult werden", so Edlinger-Ploder. Dazu komme der wohnortnahe Ausbau der Suchthilfe sowie eine bessere Dokumentation und Evaluierung. Dies alles bedinge natürlich eine Weiterentwicklung der Steuerungsstrukturen des Landes wie etwa dem Suchtbeirat bzw. dem Forum Suchtpolitik oder dem Drogenfachgremium.

Bis 2015 wolle man erste Ergebnisse. In einer steirischen Region sollen sich z. B. in einem Pilotprojekt alle "Player" vernetzen - welche Regionen, konnte Landes-Suchtkoordinator Ederer noch nicht sagen, da noch nicht alle betroffenen Träger und Vereine informiert seien. Ein Drogenkonsumraum kommt für die Landesrätin übrigens nicht infrage. (APA)