Sofia - Der bulgarische Ex-Premier Iwan Kostow hat Innenminister Zwetan Zwetanow beschuldigt, "Zigeunerbarone" nach den Krawallen gegen den selbst ernannten "Zigeneurkönig" Kiril Raschkow erpresst zu haben. Kostow, der nun Vorsitzender der oppositionellen Volkspartei DSB ist, erklärte bei einer Pressekonferenz, dass Zwetanows Partei GERB die "informellen Anführer der Roma-Ghettos", die Wahlstimmen verkauften, unter Druck setze, um diese Gruppe für sich gewinnen zu können.

Kostow, der von 1997 bis 2001 bulgarischer Regierungschef war, sagte, dass Zwetanow in einem doppelten Interessenskonflikt stehe: der Innenminister ist verantwortlich für die EU-Gelder für die Integration von Roma, gleichzeitig agiert er aber auch als Chef des Wahlstabes der regierenden Partei GERB. Laut Kostow haben sich "Roma-Barone mit einem Teil dieser Gelder Paläste gebaut", das Innenministerium habe dabei nur zugesehen. DSB rief Zwetanow deshalb zum Rücktritt auf.

Die nationalistische Parlamentspartei Ataka habe indes durch die Anti-Roma-Demonstrationen der vergangenen Wochen in Bulgarien "eine Dosis Adrenalin für ihr in letzter Zeit sehr schwach gewordenes Herz" bekommen, so Kostow. Ähnlich profitiert habe außerdem die türkische Minderheitspartei DPS.

Laut Kostow besteht das gegenwärtige "ethnische Modell des Landes" darin, dass die Volksgruppenführer "ihre Leute in Ghettos gefangen halten und mit den Regierenden die Stimmabgabe aushandeln". So bleibe die ethnisch bulgarische Bevölkerungsgruppe die einzige, die Steuern zahle, die im Nachhinein wiederum in den gemischten Regionen als Sozialhilfen verteilt würden.

Das Phänomen des Wahlstimmenkaufs plagt Bulgarien seit der Wendezeit und ist laut Politologen und Sozialforschern vor allem unter den Roma verbreitet. (APA)