Bad Saarow / Berlin - Laut wird es in Bad Saarow selten. Der brandenburgische Kurort am Scharmützelsee (im Südosten Berlins) ist bekannt für seine Thermalquellen und gutbetuchten Gäste. Auch einen Golfplatz gibt es. Nun aber hat ein Mordanschlag die Bewohner und Gäste aufgeschreckt. Vor einigen Tagen drang ein maskierter Mann in einem Tarnanzug in das Anwesen der Familie Pepper ein. Diese ist im Immobiliengeschäft tätig und in Berlin ziemlich bekannt. Ihr gehört unter anderem das in den Sechzigerjahren erbaute Europa-Center, ein Geschäfts- und Einkaufszentrum unweit des Kurfürstendamms, in das täglich 40.000 Besucher kommen.

Auf der Pferdekoppel eröffnete der Eindringling das Feuer auf Tochter Louisa (23). Ihr geschah nichts, weil sich ein Bodyguard schützend vor sie stellte. Dieser jedoch wurde getroffen und liegt seither im Koma. Der Täter konnte mit einem Motorrad flüchten, mittlerweile fahndet eine 20-köpfige Sonderkommission nach ihm.

Ehefrau niedergeknüppelt

Im August war Petra Pepper, die Ehefrau des Unternehmers, vor ihrer Villa angegriffen und mit einem Knüppel niedergeschlagen worden. Auch damals verschwand der Täter sofort, er hatte ebenfalls einen Tarnanzug an. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um dieselbe Person handelt, die nun auf der Pferdekoppel die Schüsse abfeuerte.

Rätselhaft ist der Polizei bisher das Motiv. Die Beamten spekulieren, dass die Anschläge im Zusammenhang mit wertvollen Grundstücken stehen, die Christian Pepper nach der Wende in Bad Saarow zurückerhalten hat. Allerdings bescheinigen sowohl Politiker als auch Betroffene, dass die Angelegenheit sehr fair abgelaufen sei. Pepper wird zudem als angenehmer Geschäftspartner beschrieben. Die Familie steht mittlerweile unter Polizeischutz, auch der lebensgefährlich verletzte Bodyguard wird im Krankenhaus überwacht. (bau, DER STANDARD-Printausgabe, 7.10.2011)