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Grünewald: 300 Euro "unabhängig von der sozialen Herkunft".

Foto: APA/Neubauer

Wien - Die junge Frau mit der blauen Sweatshirtjacke auf der Rolltreppe nach oben "will eine". Der Teenager unter der orangen Kapuze verspricht: "Ich wäre eine." Und das kleine Mädchen im rosa Rolli sagt: "Ich will meine Chance." Alle drei und noch andere sind zu sehen in einem Videospot, mit dem die Grünen (gruene.at) für das Bildungsvolksbegehren vom 3. bis 10. November werben. Am Donnerstag wurde der Film quasi als Trailer für die Präsentation einer grünen Idee für die Studierenden vorgeführt.

Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald sprach sich dafür aus, allen Studierenden monatlich 300 Euro "Basisfinanzierung" zu zahlen, eine Art studentische Grundsicherung, und zwar "unabhängig von der sozialen Herkunft". Für alle, auch "reiche" Kinder, als Zeichen, "dass Bildung etwas wert ist". Neben diesem 300-Euro-Sockel, der die Notwendigkeit eines Jobs zur Lebensfinanzierung verringern soll, sollen alle Studierenden aus Haushalten der unteren Einkommenshälfte zusätzlich 450 Euro Beihilfe im Monat erhalten. Studierende aus den restlichen, höheren Einkommensschichten könnten den Zusatzbetrag nur bei Bedarf und als rückzahlbaren Kredit beantragen, jene aus dem obersten Einkommensdrittel mit fünf Prozent Zinsen.

Im Gegenzug für dieses Studierendenfinanzierungskonzept sollte die Familienbeihilfe für Studierende gestrichen (und das Geld in dieses neue Modell fließen) und das "intransparente und nicht sehr treffsichere" Stipendiensystem abgeschafft werden, sagte Grünewald. Derzeit werden pro Jahr 180 Millionen Euro für Studienbeihilfen ausgezahlt. Grünewald schätzt, dass die grüne Grundsicherung für Studierende "mindestens das Dreifache" der derzeitigen Ausgaben für Studienbeihilfen kosten würde.

Arbeit und Eltern anpumpen

Die ÖH goutiert die grüne Idee, hält 300 Euro aber für "zu wenig".

Laut dem "Bericht zur sozialen Lage der Studierenden 2009" haben Studierende im Schnitt 980 Euro Monatsbudget zur Verfügung, darunter 160 Euro "Naturalleistungen vor allem von den Eltern, der Großteil (Anteil jeweils 40 Prozent) wird durch eigene Erwerbstätigkeit und Unterstützung durch die Familie (darunter die Familienbeihilfe in Höhe von 158 Euro) lukriert. Staatliche Beihilfen und Stipendien erhält rund ein Viertel der Studierenden. Die Sozialerhebung 2009 zeigte, dass mehr als ein Viertel der Studierenden finanzielle Probleme haben. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2011)