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"Eine Möglichkeit wäre es, dass Personen, die sehr viel Geld haben, sich im Bildungsbereich verewigen können. Ich habe auch nichts dagegen, dass hier irgendwelche Gegenleistungen im Sinne von Namensgebungen von Schulen oder ähnlichem stattfinden."

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Der oberste AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin ist bei den Reformvorschlägen von Unterrichtsministerin Schmied zu den Pädagogischen Hochschulen "gespalten". Diese seien "ein erster wichtiger Schritt", aber wenn man die Pädagogischen Hochschulen zu tertiären Einrichtungen macht, dann müsse man sie auch dem Wissenschaftsministerium unterstellen.

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derStandard.at: Ministerin Schmied hat ihre Vorstellungen zur Pädagogischen Hochschule präsentiert. Wie beurteilen Sie diese Pläne?

Quin: Da bin ich gespalten. Grundsätzlich glaube ich, dass es ein wichtiger erster Schritt ist. Das Aufmotzen von Pädagogischen Hochschulen kann aber nicht das Ende der Entwicklung sein. Weder Pädagogische Hochschulen noch Universitäten sind derzeit in der Lage, die gesamte Pädagogen-Ausbildung zu übernehmen. Pädagogische Hochschulen sind als nachgeordnete Einrichtungen des Ministeriums von einer Autonomie, wie sie die Universitäten haben, meilenweit entfernt. Diese Autonomie ist aber ein wesentliches Merkmal tertiärer Bildungseinrichtungen. Was ich mir mittelfristig nicht vorstellen kann, sind getrennte Zuständigkeiten. Wenn Pädagogische Hochschulen tertiäre Einrichtungen werden, dann gehören sie nicht zu einem Unterrichtsministerium, sondern zu einem Wissenschaftsministerium. Das hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Wenn es sich aber um gleichwertige tertiäre Einrichtungen handeln soll, ist mir nicht klar, warum die Zuständigkeiten getrennt sein sollten.

derStandard.at: Es soll nun ja auch einen Entwicklungsrat geben. Wie sehen Sie diesen?

Quin: Ich kenne kein Detailkonzept. Ich kenne aber die beiden Personen, die genannt wurden, Andreas Schnider und Roland Fischer. Beide haben zweifellos die Fähigkeit, die Sache sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Frage ist, wieweit sie dafür auch ein Pouvoir haben. Was aber über alle Lehrergruppen hinweg unumstritten ist: Die neue Lehrerbildung muss eine Verbesserung darstellen. Eine Verbesserung bedeutet natürlich eine masterwertige Ausbildung für alle Lehrer in Österreich. Keine gleiche, wohl aber eine gleichwertige Ausbildung. Von der Politik habe ich noch keine so eindeutige Festlegung wahrgenommen. Für uns ist völlig klar, dass eine fachwissenschaftliche Ausbildung für AHS- und BHS-Lehrer auf Universitäten zu erfolgen hat. Pädagogische Hochschulen haben weder das Personal noch die Möglichkeiten, fachwissenschaftlich forschend tätig zu sein. Das muss aber für eine Lehrerausbildung gewährleistet sein. Deswegen ist eine Zusammenarbeit zwischen den Pädagogischen Hochschulen und Universitäten wichtig.

derStandard.at: Sie haben in den letzten Tagen auch die Oberstufenreform kritisiert und gesagt, hier drohe der organisatorische Super-Gau. Was läuft hier falsch?

Quin: Ich habe im Vorfeld gesagt, dass die Grundidee positiv ist. Das sehe ich nach wie vor so, und ich hoffe, dass man das in einem praktikablen Modell umsetzen kann. Der Entwurf, der nun vorliegt, ist für die Schulen eine ungeheure verwaltungstechnische Mehrbelastung. Es ist zur Begutachtung dieses Entwurfs aus politischen Gründen gekommen. Die Bediensteten im Ministerium sehen darin auch eher einen Entwurf eines Entwurfs. Aber aus der Grundidee kann man natürlich etwas Sinnvolles machen.

Auf ein Problem hat auch das Finanzministerium hingewiesen. Zu sagen, das Modell sei kostenneutral, ist putzig. Man kann das natürlich unterschiedlich ausgestalten. Es ist die Frage, was ich will. Wenn ich mir ein Auto kaufe, kann ich mir einen Dacia oder einen Bentley kaufen - mit beiden kann man fahren, aber unterschiedlich gut. Man muss sich überlegen, wie viel Ressourcen man zu investieren bereit ist. Daran muss ich dann das Modell anpassen. Mehraufwand muss den Lehrern selbstverständlich auch abgegolten werden, aber man kann mit wenig und mit viel Mitteln praktikable Lösungen finden.

derStandard.at: Es wird ja schon seit längerem um das Lehrerdienstrecht verhandelt. Wie ist der Stand?

Quin: Wir haben mit der Dienstgeberseite vereinbart, keine konkreten Termine und Inhalte weiterzuleiten. Walter Riegler hat ja schon fehlende budgetäre Vorgaben bemängelt. Wenn ich die Gehaltskurve in Richtung höherer Einstiegsgehälter und eines flacheren Verlaufs verändere, dann brauche ich am Anfang mehr Mittel. Solange der finanzielle Rahmen nicht klar ist, können wir zwar durchaus konstruktive Gespräche führen, man wird aber nicht so schnell zu einem Ergebnis kommen.

Ich weiß nicht, welchen zeitlichen Rahmen sich die Politik gibt. Es gibt jetzt eine wirkliche Chance, neue Gehaltsverläufe zu regeln und ein attraktives leistungsgerechtes Dienstrecht zu schaffen. Aufgrund der anstehenden Pensionierungswelle lassen sich Mehrkosten deutlich leichter finanzieren, da die Gesamtpersonalausgaben demnächst deutlich sinken. Für eine Person, die in Pension geht, kann ich zwei Junglehrer einstellen.

Jetzt gibt es die Chance, das System zu ändern, wenn die Politik diese Chance nicht ergreift, dann wird dieses Fenster lange wieder zu sein. Alle, die in den kommenden Jahren den Lehrberuf ergreifen, werden die nächsten 40 Jahre hindurch Lehrer sein. Erst dann wird es wieder einen starken Personalaustausch geben. Ich kann nicht voraussagen, wie lange es dauern wird, bis ein neues Dienst- und Besoldungsrecht das Licht der Welt erblickt. Ich bin aber der letzte, der sagt, es muss Ende des Jahres sein. Wenn etwas G'scheites rauskommt, werden wir dieses Dienstrecht für Jahrzehnte haben. Da kommt es nicht darauf an, ob wir ein paar Monate länger oder kürzer brauchen, aber auf den St. Nimmerleinstag wollen wir nicht werten müssen.

derStandard.at: Sie fordern eine Solidaritätsabgabe für das Bildungswesen. Steht es um unser Schulsystem so schlecht, dass wir auf Spenden angewiesen sind?

Quin: Ich glaube nicht, dass es um unser System so schlecht steht. Ich höre aber immer aus dem Ministerium - zum Beispiel wenn die Klassenschülerhöchstzahl rechtswidrig in großen Massen überschritten wird -, es gebe die Ressourcen nicht. Ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn dem aber wirklich so ist, muss man zusätzliche Ressourcen finden. Diese wachsen nicht am Baum, irgendwoher müssen sie also kommen. Eine Möglichkeit wäre, dass Personen, die sehr viel Geld haben, sich im Bildungsbereich verewigen können. Ich habe auch nichts dagegen, dass hier irgendwelche Gegenleistungen im Sinne von Namensgebungen von Schulen oder ähnlichem stattfinden.

derStandard.at: Wie soll so eine Solidaritätsausgabe aussehen? Soll diese freiwillig oder verpflichtend sein?

Quin: Ich bin kein Steuerexperte. Die Diskussion um die Vermögenssteuer auf politischer Ebene läuft verkehrt. Ein Budget wird man nicht sanieren können, wenn man die reichsten zwei Prozent zusätzlich besteuert. Es wäre aber schon ein symbolischer Akt, wenn sich Personen, die sehr viel verdienen, auf diese Weise einbringen. Das kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, etwa per zusätzlicher Steuer oder durch steuerliche Absetzbarkeit für Spenden im Bildungsbereich. Personen, die in wirtschaftlich guten Zeiten sehr stark profitiert haben, sollen in budgetär etwas schlechteren Zeiten einen Beitrag leisten.(Sebastian Pumberger, derStandard.at, 7.10.2011)