Wenn es einen politischen Konsens in diesem Land gibt, dann wohl, dass ausreichende Deutschkenntnisse unabdingbar sind und man bei den Kindern möglichst früh mit Hilfen ansetzen muss. Es ist daher unverständlich, dass der Bund jetzt ausgerechnet die sprachliche Frühförderung aus der neuen Vereinbarung mit den Ländern gestrichen hat. Und noch weniger nachvollziehbar ist, dass nun der Ball, wer denn eigentlich zuständig ist, vom Familienminister zur Unterrichtsministerin zum Integrationsstaatssekretär und wieder zurück gespielt wird.

Verhandlungen, an denen mehrere Ministerien und die Länder beteiligt sind, sind nie eine Kinderjause. Bloß: Die jährlichen 15 Millionen Euro für den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze, die der Bund bereits in den vergangenen Jahren beigesteuert hatte, wurden nie infrage gestellt. Aber die vergleichsweise bescheidenen und nicht weniger wichtigen fünf Millionen für die Sprachförderung in den Kindergärten sollen plötzlich nicht mehr aufzutreiben sein?

Die Optik ist jedenfalls miserabel. In letzter Konsequenz kann man nämlich auch gleich die Sprachstandserhebungen und das verpflichtende letzte Kindergartenjahr streichen, wenn sich für die Sprachförderung der ganz Kleinen im Bund keiner zuständig fühlt. Sparen sollte man sich dann aber auch die Sonntagsreden von den Deutschkenntnissen als Schlüssel zur Integration - in diesem Fall ist Reden nämlich Silber, Zahlen aber Gold. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2011)