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Der Herbst ist ins Land gezogen - nicht nur meteorologisch

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Alpbach - Mit der traditionellen Zins- und Währungsprognose geht das 25. Alpbacher Finanzsymposium heute, Freitag, zu Ende. "Der Wetterumschwung ist die passende meteorologische Untermalung für die Präsentation", begrüßte der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), Christian Helmenstein, die Teilnehmer der dreitägigen Konferenz. Nach Schönwetter zu Konferenzbeginn war das Tiroler Bergdorf Freitagfrüh von Regenwolken eingehüllt, auf den Bergspitzen war Schnee gefallen. Auch die Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung haben sich eingetrübt, die Analysten sprachen von großer Unsicherheit auf den Märkten und einer möglichen Rezession.

Die Experten von acht in Österreich tätigen Banken und Finanzdienstleistern prognostizieren im Schnitt niedrigere Zinsen im Euroraum für kurzfristige Ausleihungen (3 Monate), der 10-Jahres-Zins im Euroraum werde hingegen steigen. Bei den Zinsen im Dollarraum wird im kurzfristigen Bereich mit einem leichten weiteren Rückgang gerechnet, auf 10 Jahre sollen die Zinsen steigen. Die Prognose vergleicht den Wert von gestern, 6. Oktober, mit dem erwarteten Wert per Ende Juni 2012, der Erwartungshorizont läuft also rund neun Monate.

Ölpreis wird leicht sinken

Der Euro-Dollar-Wechselkurs werde von 1,34 auf 1,32 leicht nachgeben und damit fast stabil bleiben. Der Kurs Euro-Schweizer Franken werde sich von 1,23 auf 1,25 ebenfalls kaum verändern. Die Analysten erwarten, dass die Schweizer Nationalbank die selbst gesetzte Grenze von 1,20 zum Euro halten können werde. Der Ölpreis für Brent werde von 103,19 Dollar auf 102,00 leicht sinken, aber hier haben die einzelnen Banken sehr unterschiedliche Erwartungen.

Der Analyst der Raiffeisen Bank International (RBI), Peter Brezinschek, sieht eine Entwicklung in Richtung einer partiellen Rezession in der ersten Jahreshälfte 2012. Was auf den Finanzmärkten derzeit passiere, werde auch in der Realwirtschaft spürbar. Das Geld fließe nicht in die Wirtschaft, sondern werde von den Banken aus Angst vor Risiko bei der EZB geparkt. Die Investitionen blieben in Warteposition. Der "Lichtblick" privater Konsum werde nicht ausreichen. Als Hoffnungsschimmer sieht der Raiffeisen-Analyst, dass von den Verantwortlichen eine Lösung für die Schuldenkrise gefunden wird, die einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte nicht im Weg steht.

"Angstvolle Erwartung führt zu Stillstand"

Die derzeitige schwierige Lage in Europa beschrieb die Analystin der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), Uta Pock: Die Europäische Zentralbank (EZB) sei besorgt um die Realwirtschaft und stelle neue Mittel bereit, doch diese könnten nicht in die Wirtschaft fließen. "An den Finanzmärkten herrscht eine angstvolle Erwartung vor einem dramatischen Ereignis, das führt zu Stillstand." Mittelfristig könne die Krise in Europa aber auch ein Katalysator sein, dass die EU mehr Wettbewerbsfähigkeit gewinne.

"Die Kohle geht nicht in die Wirtschaft rein", ergänzte Tim Geißler von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Die Banken holen das Geld von der EZB ab und parken es wieder dort, aus Angst vor Risiko.

Die deutsche Commerzbank prognostiziert für das vierte Quartal 2011 und das erste Quartal 2012 eine "technische Rezession" im Euro-Raum. Im zweiten Quartal 2012 werde es zu einer Stagnation, also Nullwachstum kommen, prognostiziert Analyst Christoph Rieger. Das Jahresende 2011 werde "sehr schwierig" werden, gibt er einen düsteren Ausblick für die nächsten Monate. Die Spannungen in Europa werden steigen, die Bereitschaft der Geberländer zu helfen werde abnehmen.

BAWAG-P.S.K.-Analystin Michaela Duenas Vega erwartet mehr Dynamik in den USA als in der Eurozone. Im vierten Quartal 2011 werde es in der Eurozone zu einem Rückgang kommen, in den USA hingegen nicht. Die US-Notenbank könne die Zinsen nicht mehr senken und fahre daher eine "aggressive Geldpolitik" mit der Ausweitung der Geldmenge. Auch in den USA komme das Geld aber großteils nicht in der Wirtschaft an.

Niedriges Zinsumfeld

Die Wirtschaft müsse sich auf ein niedriges Zinsumfeld einstellen, erläuterte Michael Rottmann von der UniCredit. Das sei zwar "hässlich" für alle Sparer und Unternehmen, die in Liquidität schwimmen, aber es sei wohl die sozialverträglichste Lösung, um in Europa nach vorne zu gehen. Er hoffe auf einen politischen Durchbruch und ein klares Bekenntnis zum Euro, um aus diesem "negativen Gedankental" wieder herauszukommen.

Extrem unzufrieden mit dem Umgang der Politik mit der Schuldenkrise in der Eurozone zeigte sich auch der Analyst Johann Maurer von der Innovest Kapitalanlage AG. Die Beschlüsse vom Juli zu Griechenland seien immer noch nicht umgesetzt, Griechenland werde nun wohl einen Haircut (Schuldenschnitt) von 50 Prozent statt 20 Prozent brauchen. Der nächste Patient werde Italien sein, das im ersten Halbjahr 2012 Milliardenbeträge umschulden müsse. Der Euro werde daher zum Dollar schwächer werden, erwartet Maurer: "Europa und die USA sind zwei Schwache, aber einer schwächelt mehr als der andere." (APA)