Wien - Fünf Wochen nach dem Sonderaufsichtsrat der Telekom Austria zu den zahlreichen Schmiergeldvorwürfen wurde nun der Wirtschaftsprüfer für das damals beschlossenen Untersuchungsteam bekanntgegeben. Beauftragt wurde BDO Deutschland. "Das Untersuchungsteam setzt sich aus Expertinnen und Experten für Forensik, Compliance und Betrugsprävention zusammen. Es verfügt über ausgezeichnete Referenzen auf dem Gebiet der forensischen Aufklärung. Das unabhängige Team agiert unter der Leitung des Deutschen Markus Brinkmann, der über 18 Jahre Erfahrung in diesem Bereich aufweist. Dieser wird bei der Teamleitung durch den Schweizer Forensik-Spezialisten Stefan Kühn unterstützt", hieß es dazu in einer Aussendung der Telekom am Freitag. Die österreichische BDO Auxillia hatte einst unter der Regierung Schüssel (ÖVP/FPÖ/BZÖ) die heftig umstrittene Reform der ÖBB geprüft und gut geheißen.

Bessere Benimmregeln

Das Untersuchungsteam berichtet direkt an den Aufsichtsrat bzw. an den Kontrollausschuss und kann bei Bedarf um zusätzliche Expertise erweitert werden. Die Beauftragung umfasst sowohl die Aufklärung historischer Sachverhalte als auch die Unterbreitung von Vorschlägen zur Verbesserung des Compliance Systems, also der "Benimmregeln" im Unternehmen. Neben der Evaluierung der bisher durchgeführten Prüfungsergebnisse sind schwerpunktmäßig die Prüfung wesentlicher Akquisitionen (Festnetz- und Mobilfunksegment), der größten Immobilientransaktionen und Beschaffungsvorgänge sowie wesentlicher Beraterverträge im Prüfungsauftrag enthalten. Die Prüfungshandlungen umfassen grundsätzlich den Zeitraum 2000 bis 2010.

Der Bericht über die Ergebnisse der Untersuchungen sollen bis spätestens zur Hauptversammlung 2012 vorliegen.

Der Auswahlprozess durch den Vorstand der Telekom Austria Group zur Bestellung eines Compliance Managers befindet sich in der Endphase. Zudem erfolgte Ende August durch Aufsichtsrat und Vorstand der Auftrag an Rechtsanwalt Univ. Prof. Dr. Raimund Bollenberger, Rückforderungsansprüche hinsichtlich der aus dem Optionsprogramm im Jahr 2004 ausbezahlten Beträge sowie etwaige Schadenersatzansprüche geltend zu machen, betonten die Staatsholding ÖIAG und Telekom unisono. (APA)