Karlheinz Kopf betont, er wolle nicht von Missbrauch sprechen. Das ist bereits ein Fortschritt. Oft genug schon wurden Invaliditätspensionisten ja unter den Generalverdacht des Tachinierens gestellt.

Der ÖVP-Klubchef hat auch recht, dass 30.000 invalide Frührentner pro Jahr zu viel sind. Tatsächlich wird es darunter Arbeitsmüde geben, die eine magere Pension - Männer erhalten im Schnitt 1080 Euro, Frauen 700 Euro - dem Job vorziehen. Doch das ist eben nur eine Facette.

Was gerne ausgeblendet wird: Die Arbeitswelt ist aufreibender geworden, Mediziner registrieren immer mehr psychische Leiden. Viele Invaliditätspensionisten haben lange Krankengeschichten hinter sich, im Schnitt sterben sie um elf Jahre früher als Alterspensionisten. Und es gibt Firmen, die ältere Kräfte hinausdrängen. Oft einigen sich Arbeitgeber und -nehmer wohl auch auf den simplen, für die Allgemeinheit jedoch teuren Ausweg: die Frühpension.

Der ÖVP aber fallen immer nur für eine Seite Sanktionen ein. Zum Arztbesuch will sie Invaliditätspensionisten in spe vergattern, damit Führer-, Jagd- und Waffenschein überprüft werden. Was bringt das? Natürlich wird längst jeder Antragsteller vom Amtsarzt untersucht - zwei Drittel blitzen dabei ab. Wenn Kopf den Gutachtern misstraut: Warum soll dann gerade ein Führerscheintest zur großen Hürde werden? Nach einer Sachlösung klingt das nicht, eher nach Schikane und Scheinpolitik. (DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.10.2011)